Benziner sind auch Dreckschleudern

Dieselfahrzeuge sind nicht die einzigen Dreckschleudern auf den Straßen. Denn auch die Benziner stoßen überraschend große Mengen Feinstaub und Giftstoffe aus, wie Schweizer Forscher festgestellt haben. Die ausgestoßene Rußmenge lag bei modernen Direkteinspritzern sogar über einem Euro-5-Dieselauto.

 

Auspuff

Aus dem Auspuff von modernen Benzinern kommen überraschend viele Rußpartikel. (Foto: olando/ Fotolia)

In den letzten Monaten sorgten vor allem Dieselfahrzeuge für Schlagzeilen. Denn sie stoßen wegen einer gezielten Manipulation der Steuersoftware im normalen Straßenverkehr erheblich mehr Stickoxide, Kohlendioxid und Feinstaub aus als von den Herstellern angegeben. Weil sich auch seit Aufdeckung dieses Skandals kaum etwas geändert hat, laufen sogar Klagen gegen das Kraftfahrt-Bundesamt.

Im Vergleich dazu galten Benzinfahrzeuge zumindest in puncto Feinstaub bisher als weniger “schmutzig”. Ob das wirklich so ist, haben nun Forscher der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) gemeinsam mit Kollegen untersucht. Dafür unterzogen sie sieben Autos mit der noch relativ neuen Technik der Benzin-Direkteinspritzung und im Vergleich dazu ein Dieselauto nach der Euro-5b-Abgasnorm.

Mehr Rußpartikel als Dieselautos mit Filter

Die Resultate waren ernüchternd: Jeder der getesteten Benziner stieß zehn bis 100 Mal mehr feine Rußpartikel aus als der zum Vergleich gemessene Diesel-Peugeot mit Partikelfilter. Der Feinstaub aus den Benzinmotoren ist ähnlich klein wie die Rußpartikel, die den Diesel in Verruf brachten: Es sind Primärteilchen mit 10 bis 20 Nanometer Größe, die sich zu 80 bis 100 Nanometer großen Partikel-Agglomeraten zusammenlagern, bevor sie den Auspuff verlassen, wie die Forscher erklären.

“Einmal eingeatmet, bleiben solch kleine Partikel für immer im Körper”, erläutert Empa-Forscher Norbert Heeb. Solche Nanopartikel können erwiesenermaßen die Membran menschlicher Lungenbläschen passieren und so in den Blutkreislauf gelangen.

Krebserregendes Benzo(a)pyren nachgewiesen

Die Rußpartikel sind allerdings nicht das einzige Problem: “Auf der Oberfläche der Partikel lagern sich flüssige oder feste chemische Gifte aus dem Verbrennungsprozess ab, unter anderem polyzyklische Aromaten”, erklärt Heeb. ” Diese Substanzen können mit den Partikeln in den Blutkreislauf geschleust werden wie in einem Trojanischen Pferd.”

Unter den angelagerten Giftstoffen wiesen die Forscher unter anderem das Verbrennungsprodukt Benzo(a)pyren nach, eine krebserregende Substanz, die auch im Zigarettenrauch vorkommt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält bei Benzo-(a)pyren jede Dosis, auch die kleinste, für gesundheitsschädlich. Die EU hat sich auf einen Luftgrenzwert von einem Nanogramm pro Kubikmeter Luft geeinigt.

Die Abgase der gemessenen Benzinfahrzeuge liegen jedoch bis zu 1.700-fach darüber, wie die Wissenschaftler berichten. Das zum Vergleich getestete Euro-5-Dieselfahrzeug mit Partikelfilter schnitt hierbei sogar besser ab: Der Peugeot emittierte im Test nur 45 Nanogramm krebserregende Substanzen – sechsmal weniger als der Beste der getesteten Benzin-Direkteinspritzer.

Abgas-Inhaltsstoffe

Was hinten rauskommt, wenn wir Gas geben. (Grafik: Empa)

Partikelfilter auch für Benziner

Das Fazit der Forscher: Benzinfahrzeuge mit Direkteinspritzung sind nicht per se umweltfreundlicher oder weniger gesundheitsschädlich als mit Partikelfiltern ausgerüstete Dieselautos. Die Experten halten es daher für dringend geraten, in Zukunft auch Benziner standardmäßig mit Partikelfiltern auszurüsten. “Im Moment wird nicht die beste verfügbare Technologie eingebaut”, bemängelt Heeb. “Je früher also Partikelfilter für Benziner zur Pflicht werden, desto besser für unser aller Gesundheit.”

Weltweit laufen pro Sekunde drei neue Autos vom Band – insgesamt 73 Millionen Personenwagen und 18 Millionen Nutzfahrzeuge pro Jahr. Die meisten sind Benziner. Im Jahr 2020, so schätzen Fachleute, werden europaweit 50 Millionen Benzin-Direkteinspritzer unterwegs sein. Ein triftiger Grund also, sie so unschädlich wie möglich zu machen.

Quelle: Empa – Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

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