Hoffnung auf Neustart: Putin und Macron treffen sich erstmals in Paris

Russlands Präsident Wladimir Putin trifft sich am Montag erstmals mit dem neuen Präsidenten Frankreichs, Emmanuel Macron. Moskau rechnet mit einem Neustart der bilateralen Beziehungen, die sich während der Amtszeit Francois Hollandes verschlechterten, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Montag.

Laut französischen Experten ist Macron am Kontakt mit dem russischen Staatschef auch selbst interessiert – dies würde dem neuen französischen Präsidenten ermöglichen, die Unabhängigkeit der Außenpolitik zu zeigen. Allerdings nahm seine Partei „En Marche!“ keine Stellung zum bevorstehenden Treffen.

Der erste persönliche Kontakt beider Staatschefs findet in Versailles statt, wo am selben Tag die Ausstellung anlässlich des 300. Jahrestags der Reise von Peter dem Großen nach Frankreich eröffnet wird. 1717 bildete seine Reise die Grundlage für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern. Jetzt werden mit dem Besuch Putins die Hoffnungen auf die Normalisierung der Beziehungen, die sich in den letzten Jahren verschlechterten, verbunden.Putin beabsichtigte bereits vor sieben Monaten, Paris zu besuchen, doch nach einem scharfen Kommentar des damaligen Präsidenten Francois Hollande, dass die russischen Bombenangriffe des syrischen Aleppos wohl Kriegsverbrechen nahe seien, wurde der geplante Besuch abgesagt.

Auch Macron als Präsidentschaftskandidat erlaubte sich Kritik an Moskau und Putin. Moskau halte sich an eine „Hybrid-Strategie, die die Taktik der militärischen Einschüchterung und Informationskrieges beinhaltet“, sagte er vor einigen Monaten. Auch die Position von Macrons Wahlkampfteam, dass der Kreml angeblich bei der Wahl den Sieg der Kandidatin der Front National, Marine Le Pen anstrebte, förderte kaum gegenseitige Beziehungen.

Macron kritisierte zwar Russland und Putin, hob allerdings ständig hervor, dass der Dialog mit Moskau notwendig sei. Beim G7-Treffen auf Sizilien betonte der französische Präsident erneut, dass viele internationale Probleme ohne die Teilnahme Russlands nicht gelöst werden können.

„Ich werde einen anspruchsvollen Dialog mit Russland haben, bei dem alle notwendigen zur Besprechung Fragen erörtert werden. Doch es wird ein Dialog sein. Man muss mit Moskau einen Dialog zu mehreren internationalen Themen führen, darunter zu Syrien“, sagte Macron bei der Pressekonferenz in Taormina.

Die Ausrichtung auf einen Dialog wurde in den letzten Wochen auch von russischen Beamten geäußert. Putin rief seinen neuen Kollegen in der Gratulation zum Sieg bei der Präsidentschaftswahl auf, das gegenseitige Misstrauen zu überwinden und die Kräfte zu vereinen, um die internationale Stabilität und Sicherheit zu sichern.

Moskauer Kreml
© SPUTNIK/ NATALIA SELIVERSTOVA

Laut französischen Experten wird das Treffen mit Putin Macron helfen, sich als selbstständiger und unabhängiger Staatschef zu zeigen. Der französische Analyst Xavier Moreau sagte: „Für Macron ist das kommende Treffen wichtiger als für Putin. Die Hauptaufgabe Macrons ist zu zeigen, dass er ein starker Präsident ist und er tatsächlich die Möglichkeit hat, zu zeigen, dass er keine Marionette Angela Merkels ist. Damit kann Wladimir Putin verstehen, ob er mit einer erneuerten Version Hollandes oder mit einem wahren Staatschef zu tun hat.“Laut Thomas Guenole vom Institut für internationale und strategische Beziehungen (IRIS) ist der neue Präsident Frankreichs auf dem richtigen Wege.

„Die antirussische und Pro-Nato-Lobby ist äußerst stark im französischen Establishment“, sagte der Experte. „Mit dem Empfang Putins zeigt Macron offen politischen Willen und politischen Mut“,

Der russische Botschafter in Frankreich, Alexander Orlow, äußerte sich optimistisch in Bezug auf die Annäherung zwischen Moskau und Paris aus. Mit dem Machtantritt eines auffallenden und kompetenten Präsidenten gebe es Hoffnung auf Freundschaftsbeziehungen. Zudem existierten Anzeichen dafür, dass der neue französische Staatschef mehr Unabhängigkeit beim Treffen von Beschlüssen als Hollande zeigen werde, so Orlow.

Quelle: Sputniknews.de

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