Kottransplantation als Behandlungsalternative bei Darmerkrankung

Ist das große Geschäft erledigt, wird es schnell heruntergespült. In der Regel widmet man sich nicht auch noch gedanklich seinen Ausscheidungen. Dabei kann gesunder Kot das Leben von Patienten mit einem kranken Darm erheblich verbessern. Einige entzündliche Darmkrankheiten können mit der Stuhltransplantation geheilt werden. Im Klinikum Ulm konnte beispielsweise einer schwer kranken 75-jährigen Frau das Leben gerettet werden und zwar dank der Kotspende ihrer Enkelin.

Geht man mit Antibiotika gegen Bakterien im Darm vor, werden nicht nur die gefährlichen, sondern auch die gesunden beseitigt. Manchmal wird dadurch die Entzündung im Darm sogar noch schlimmer. Gesunde Menschen haben eine andere Darmflora als darmkranke Menschen. Deren Stuhl kann daher dabei helfen, die krankmachenden Bakterien im Darm des Patienten zu beseitigen.

In vielen Ländern wie den USA oder Niederlanden werden bereits Stuhltransplantationen durchgeführt. In Deutschland dagegen ist diese Art der Behandlung von Darmerkrankungen nicht zugelassen. Dabei hat eine Kottransplantation schon vielen Menschen geholfen, einigen sogar das Leben gerettet.

Wie funktioniert die Stuhltransplantation?

Die Übertragung des Spenderstuhls erfolgt über eine Endoskopie. Der Gastroenterologe Dr. Siegel erklärt dazu: „Frischer Stuhl eines gesunden Spenders wird dazu in Kochsalzlösung aufgelöst, man filtriert die Mischung und gibt sie direkt in den Darm des Patienten. Entweder erfolgt dies über eine bis in den Darm reichende Nasensonde oder per Koloskop im Rahmen einer Darmspiegelung.“ Der eingeflößte Stuhl muss unbedingt gesund sein. Zudem sollte beim Spender in den letzten Monaten vor der Spende keine Antibiotika-Einnahme erfolgt sein.

Bereits mehrere Studien haben die Wirksamkeit der Fäkaltransplantation nachgewiesen. Im Rahmen einer Pilotstudie aus dem Jahr 2012 konnten 18 von 20 Personen, die an der entzündlichen Darmkrankheit Clostridiencolitis litten, mit dieser Art der Transplantation geheilt werden. Ob diese Behandlung auch bei anderen chronischen Darmkrankheiten wie Morbus Crohn erfolgreich ist, wird derzeit noch erforscht.

Die Vorstellung, den Stuhl eines Fremden per Einlauf oder Sonde durch die Nase eingeflößt zu bekommen, ist sicher für viele Menschen ekelig. Da die Endoskopie jedoch ein sehr aufwendiger Eingriff ist, wird derzeit daran geforscht, ob der Kot auch als Kapsel in den Dünndarm eingeführt werden kann.

Der auf Darmkrankheiten spezialisierte Arzt Dr. Ilan Youngster aus Boston führte bereits eine erfolgreiche Behandlung mit tiefgefrorenem Spenderstuhl durch. Ganze 90 Prozent seiner Patienten mit der Krankheit Clostridium difficile konnten durch die Kotkapseln geheilt werden.

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Sogar gegen Adipositas könnte eine Stuhltransplantation helfen. In mehreren Studien verloren dicke Mäuse an Gewicht, nachdem ihnen Kot von dünnen Mäusen transplantiert wurde.

Angesichts der großartigen Erfolge der Kottransplantation, die bereits in mehreren Studien nachgewiesen wurden, würden die meisten Patienten die Ekeltherapie wohl gern in Kauf nehmen. Auch die Spendersuche dürfte um ein Vielfaches leichter sein als bei Organtransplantationen.

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