Dramatische Verschwendung von Fisch

Obwohl die Fischbestände weltweit zurückgehen, werden jedes Jahr zehn Millionen Tonnen Fische zurück ins Meer geworfen, wie eine Studie aufdeckt. Die Fische könnten durchaus genutzt werden, aber sie sind zu klein, die falsche Art oder einfach gerade nicht “in” – eine fatale Verschwendung.

Heringe

Viele von Fischtrawlern gefangene Fische landen ungenutzt wieder im Meer (Foto: Inge Knol/ Fotolia)

Fisch ist eine wertvolle Ressource der Natur – und ein gesundes Lebensmittel. Doch die große Nachfrage nach Speisefischen und der Drang nach maximalem Profit sorgt schon seit Jahren für eine gnadenlose Übernutzung vieler Bestände. Im Prinzip hat Deutschland seine nachhaltig fangbaren Fischreserven schon im April aufgezehrt, die EU erreicht ihren “Fish-Dependence-Day” Anfang Juli.

Zehn Prozent des Fangs landet wieder im Meer

Noch schlimmer aber: Ein Teil dieses Raubbaus wird nicht einmal verwertet. Forscher der Initiative Sea Around Us von der University of British Columbia haben ermittelt, dass jedes Jahr zehn Millionen Tonnen Fisch zwar gefangen und getötet, dann aber einfach wieder ins Meer zurückgeworfen werden. Insgesamt wurden zehn Prozent des gesamten weltweiten Fangs der letzten Dekade auf diese Weise “entsorgt”. Der zurückgeworfene Fisch würde ausreichen, um 4.500 olympische Schwimmbecken bis zum Rand zu füllen.

“Angesichts der aktuellen Ära zunehmender Nahrungsunsicherheit und Sorgen um die menschliche Gesundheit sind diese Ergebnisse besorgniserregend”, sagt Dirk Zeller von der University of Western Australia. “Der weggeworfene Fisch hätte noch genutzt werden können.” Doch Missmanagement und schlechte Fischereipraktiken führen dazu, dass Fischer immer wieder unnötige Fänge entsorgen – weil sie nicht genug Profit bringen.

Profitgier als Motivation

Ins Meer zurückgeworfen werden beispielsweise Fische, die beschädigt sind und daher nicht mehr gewinnbringend verkauft werden können, wie die Forscher erklären. Aber auch zu kleine Fische oder Fischsorten, die gerade keine Saison haben, werden über die Bordwand “entsorgt”. Ebenfalls gängig ist das Wegwerfen von unerwünschten Beifängen.

“Solche Praktiken sind auch im Rahmen des sogenannten High-Grading gängig”, erklärt Zeller. “Dabei fangen die Fischer weiter, selbst wenn sie ihre Quoten schon ausgeschöpft haben. Wenn sie dann größere und bessere Fische fangen, werfen die zuvor gefangenen kleineren Exemplare weg.” Das macht den Fang lukrativer und erhöht den Profit.

Fischverschwendung

Menge zurückgeworfener Fische in den letzten Jahrzenten (Grafik: University of British Columbia)

Rückgang zeigt erschöpfte Bestände

Diese Praxis trägt bereits seit Jahrzehnten zur Übernutzung der Bestände bei, wie Zeller und seine Kollegen erklären. In den 1980er Jahren lag die Menge der zurückgeworfenen Fische sogar noch höher: bei rund 18 Millionen Tonnen jährlich. Der Rückgang sei aber kein Grund zur Beruhigung oder gar Entwarnung, so die Forscher. Denn der Rückgang auf “nur” noch zehn Millionen Tonnen liegt nicht allein an verbesserten Fischfang-Praktiken, sondern eher daran, dass die Fischer wegen der erschöpften Bestände einfach insgesamt weniger fangen.

Seit den 1990er Jahren nehmen die Fangraten um rund 1,2 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr ab. “Die Menge der zurückgeworfenen Fische geht deshalb zurück, weil wir diese Arten schon so weit dezimiert haben, dass Fischer jedes Jahr weniger und weniger von ihnen fangen”, sagt Zeller. “Dadurch bleibt auch weniger übrig, das wegegeworfen werden kann. Die Rückwürfe spiegeln auch wider, wie sich die Fischereiflotten in noch weniger übernutzten Gewässern verlagern. “Die Verschiebung vom Atlantik in den Pazifik zeigt einen gefährlichen Trend, bei dem die Fischerei unsere Probleme und nicht-nachhaltige Nutzung in neue Gebiete verlagern”, sagt Tim Cashion von der University of British Columbia.

Quelle: University of British Columbia, Fachartikel: Fish and Fisheries, doi: 10.1111/faf.12233

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