Fünf Dinge, die Ihnen die Medien nicht über die Olympischen Spiele berichten

Die diesjährigen Olympischen Spiele haben einen besonders romantischen Austragungsort: Rio de Janeiro.

In den 1950ern und 60ern waren Rios berühmteste Künstler internationale Stars, indem sich durch die Popularität des „Bossa Nova“ den Brasilianern die perfekte Gelegenheit bot, ihre Kultur und Lebenseinstellung weltweit bekannt zu machen. Aber im Verlauf der folgenden Jahrzehnte hat sich Brasilien in den Augen der Ausländer beträchtlich verändert. Es wurde zu einem Land von Korruption, Elend, Polizeigewalt und eines brutalen Drogenkrieges, der alleine im Jahr 2014 für 60.000 Tötungsdelikte mitverantwortlich war.

Aber indem Athleten aus allen Ecken der Welt im olympischen Geist wetteifern, werden die Probleme des Landes bei den Nachrichtenkanälen verdrängt.

Hier ist ein kurzer Überblick über fünf der besorgniserregendsten Probleme, mit denen Touristen, Athleten und die Brasilianer selbst während des führenden Sportereignisses dieses Jahres konfrontiert sind.

1. In Brasilien wird Protestierenden gegen die Politik sehr wenig Redefreiheit zugestanden (und darum drohten sie damit, die olympische Fackel auszulöschen)

Am 10. Mai 2016 unterzeichnete die in Ungnade gefallene damalige Präsidentin Dilma Rousseff einen Gesetzesvorschlag, der es Einzelpersonen verbietet, politische Proteste in Stadien abzuhalten, die sich in öffentlicher Hand befinden — d.h. dort, wo derzeit alle olympischen Wettkämpfe abgehalten werden. Während einige Protestler behaupten, diese Politik sei vom Übergangspräsidenten und früheren Vizepräsidenten Michel Temer geplant worden, ist das Gesetz tatsächlich ein Produkt von Rousseffs Amtszeit. Indem sich die Polizeibeamten auf Artikel 28 des Gesetzes 13.284 berufen, werden die Protestler entweder dazu aufgefordert, die Stadien zu verlassen, oder jegliches Material zu zerstören, das sie während dem Anschauen der Wettkämpfe benutzen, um gegen Politiker zu protestieren.

Kürzlich berichtete Al Jazeera über eine Gruppe von Protestlern, die damit drohte, die olympische Fackel auszulöschen. Sie protestieren unter anderem gegen die Kosten der Spiele.

Zusätzlich zu den Kosten der Spiele in Höhe von 12 Milliarden Dollar, rufen die Protestler nach einem massiven Korruptionsskandal um die staatliche Ölgesellschaft, von dem Dutzende hochrangiger Politiker betroffen waren, zu mehr Verantwortung von gewählten Amtsträgern auf,wie Al Jazeera berichtete.

 

Ein Mann, der erfolglos versuchte, die Fackel auszulöschen, behauptete, dass er dies tat, weil er gegen den derzeitigen Präsidenten und den „Staatsstreich“ sei. Aber laut einer Gruppe von Protestlern, die die Fackel auslöschen wollten und Facebook benutzten, um ihre Veranstaltungen zu organisieren, konzentriert sich die Idee hinter dem „Streich“ nicht nur auf Temer. Die Protestler beabsichtigen, Brasilien und der Welt zu zeigen, dass wir mit der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Situation des Landes unzufrieden sind, in der WIR diese OLYMPIADE nicht wollen.

2. Rio ist pleite und Brasilien auch

Man erwartet, dass der Staat Rio de Janeiro bis Ende des Jahres ein Defizit von 19 Milliarden Brasilianischen Real hat, eine Prognose, die die olympische Gastgeberregierung im Juni dazu veranlasste, — fast zwei Monate vor dem Ereignis — ein Notstandsdekret zu erlassen, wodurch die abnormale Situation in einer offiziellen Art und Weise publik gemacht wurde. Im April dieses Jahres hatte der Staat bereits berichtet, dass sein öffentliches Defizit 201 Prozent seiner jährlichen Einnahmen gleichkomme — eine viel höhere Rate als dies gesetzlich erlaubt ist, wie Globo, eine von Brasiliens populärsten Nachrichtenorganisationen, berichtet. Trotz des finanziellen Desasters wurden die Spiele nicht abgesagt. Laut des Forschungsbeauftragten der Universität Zürich, Christopher Gaffney, wird Rio in Folge der Fußballweltmeisterschaft von 2014 und der Olympischen Spiele dieses Monats für die nächsten zehn Jahre verschuldet sein.

Aber Rios Problem ist Brasiliens Problem.

Moody’s Investors Service senkte neulich die Anlagebonität des Landes auf „Ramsch“-Niveau, und mit Staatsschulden von über 706 Milliarden Dollar, so berichtet Moody’s, wird der Fortschritt beim Konsolidierungskurs langsam sein und das ökonomische Wachstum in den nächsten zwei bis drei Jahren ohne Durchschlagskraft.

Laut Leandro Roque vom Mises Institute haben die momentanen düsteren Aussichten der Wirtschaft des Landes — und insbesondere in Rio — eine Menge mit der Verbreitung leichter Kreditvergaberichtlinien zu tun. Dies hat der Bundesregierung die Macht verliehen, aus dem Nichts heraus „Geld zu drucken“ und die Kosten der Verbrauchsgüter in die Höhe zu treiben, was besonders die Einkommensschwachen und die Mittelschicht trifft. Aber das ist noch nicht alles, wodurch die Mitglieder der unteren Einkommsschichten des Landes in Mitleidenschaft gezogen werden.

Während der Vorbereitungen für die Olympiade wurden Hunderte von Anwohnern dazu gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, einfach nur deshalb, weil sie in der Nähe eines Stadions wohnten, das für die Olympiade gebaut wurde.

3. Die Militärpolizei ist zwar für die Sicherheit der Olympiade verantwortlich, aber sie knöpft sich Privatpersonen (und Athleten!) vor

In Brasilien gibt es vier Strafverfolgungsorganisationen: die Militärpolizei, Zivilpolizei, Bundespolizei und die Kommunalwache.

Was viele Ausländer nicht mitbekommen, ist die Tatsache, dass die Militärpolizei, und nicht die Zivlipolizei, dafür verantwortlich ist, auf den Straßen „für Ruhe und Ordnung zu sorgen“. Sie haben die Befugnis, die Städte unter anderem auf der Suche nach Kriminellen, die mit Drogen in Verbindung stehen, zu patrouillieren. Sie haben auch die Befugnis, Fahrer wegen Verkehrsvergehen anzuhalten.

Um ihre Reichweite zu vergrößern, erlaubte das Ministerium für Justiz und Bürgerschaft der Nationalen Kraft für öffentliche Sicherheit (eine Organisation, die durch die gemeinsame Zusammenarbeit verschiedener brasilianischer Kräfte für öffentliche Sicherheit geschaffen wurde; auf Portugiesisch: Força Nacional de Segurança Pública oder FNSP), um inaktive Militärpolizeibeamte angesichts der Olympiade dazu zu bewegen, den Einsatzkräften als Freiwillige zur Verfügung zu stehen. Die Bitte wurde Anfang Juli vorgetragen. Obwohl keine Schätzung veröffentlicht wurde, streifen derzeit Teile der Militärpolizeikräfte wahrscheinlich als Freiwillige durch die Straßen Rios.

Bei einem Versuch, die zunehmende Kriminalität in der Stadt zu bekämpfen, hat die Regierung auch 85.000 Mitglieder bewaffneter Einheiten dazu angewiesen, durch Rio zu patrouillieren, einschließlich 21.845 Angehörige der brasilianischen Marine- und Luftstreitkräfte.

Aber in der Stadt auf Streife zu gehen, um nach Dieben und potenziellen Drogenhändlern Ausschau zu halten, ist nicht das einzige, was die Polizeibeamten in Rio tun. Jayson Lee, ein Jiu Jitsu-Kämpfer aus Neuseeland, wandte sich an die Zivilpolizei, um Militärpolizeibeamte anzuklagen, die ihn angeblich vor dem Beginn der Olympischen Spiele entführten.

Der Mann wurde zuerst angehalten und man sagte ihm, dass er ohne seinen Pass nicht in der Stadt fahren dürfe, selbst nachdem er den Beamten die Fahrzeugpapiere vorgelegt hatte. Ihm wurde dann gesagt, dass er zum Polizeipräsidium gehen müsse, wo er eine Strafe zu bezahlen habe. Aber im Verlauf der Auseinandersetzung sagten die Beamten zu dem Athleten, dass er sich den Weg sparen könne, wenn er ihnen das Geld direkt geben würde. Als die Polizei den Athleten eskortierte, hob er 2.000 Brasilianische Real ab und gab sie den Polizisten, die ihn angehalten hatten.

Nachdem er sich darüber beklagte, begann die Polizei mit einer Untersuchung, indem sie zwei Beamte, die angeblich in die Auseinandersetzung involviert waren, hinter Schloss und Riegel brachte. Sie könnten vom Dienst bei der Polizei suspendiert werden, wenn sie der Erpressung für schuldig befunden werden.

In São Paulo war die Militärpolizei einen Tag vor Beginn der Spiele in eine Streitigkeit mit einem Anti-Olympia-Protestler involviert.

Ungefähr 200 Leute wurden Berichten zufolge während einer Demonstration auf der Avenida Paulista, einer der belebtesten Straßen in der Innenstadt von São Paulo, mit Pfefferspray besprüht und verprügelt. Der Protest wurde bereits 15 Minuten nach seinem Beginn abgebrochen, als die Polizeibeamten die Rucksäcke und Handtaschen durchsuchten, während sie sich die Ausweisnummern notierten. Einige Momente später riegelte die Polizei die Straße ab und drängte die Demonstranten in eine Ecke unter dem Museu de Arte de São Paulo. Als die Protestierenden versuchten, den Ort zu verlassen, wurden sie von den Beamten angeblich mit Schlagstöcken und Pfefferspray angegriffen.

4. Rio liebt es, die Dinge schönzureden (die Regierung behauptet allen Ernstes, umweltbewusst zu sein — aber das ist nicht der Fall)

Laut Associated Press sind die Wasserstraßen von Rio de Janeiro so schmutzig wie immer, verunreinigt durch ungeklärtes Abwasser, das vor gefährlichen Viren und Bakterien nur so wimmelt. Der Bericht ist das Ergebnis einer 16-monatigen Untersuchung im Auftrag der Presseagentur.

Nichtsdestotrotz zeigten die Organisatoren der Spiele während der Eröffnungszeremonie ein Video, bei dem die Schauspielerin Judi Dench als Sprecherin in Erscheinung trat, das vor dem Problem der Erderwärmung und des Klimawandels warnte…und zeigte, wie schnell die Erdtemperatur im Laufe der Zeit nach oben geschossen ist, wie drastisch die antarktische Eisdecke in den letzten Jahrzehnten zusammengeschrumpft ist und wie beständig der Meeresspiegel auf der ganzen Welt ansteigt.

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Es wurde hingegen nicht erwähnt, wie schnell es mit der Umwelt Brasiliens den Bach runter gegangen ist, besonders seitdem das Missmanagement lokaler Dämme zu einer der schlimmsten Giftschlamm-Lawinen in der jüngeren Geschichte führte. Der Vorfall ist auf einen Dammbruch bei einer Eisenerzgrube zurückzuführen, die teilweise im Besitz von Vale (früher Vale do Rio Doce) ist — das von der Bundesregierung gegründet wurde — und von Samarco, einem Unternehmen, das Vale und der englisch-australischen Firm BHP Billiton gehört.

Die Rousseff-Regierung nahm 2015 die Kontrolle von 52,5 Prozent von Vale wieder an sich.

Also warum wurde das während des Ereignisses nicht zur Sprache gebracht?

5. Brasiliens Plan, vor der Olympiade die Straßen Rios zu „säubern“, war verantwortlich für den ungesetzlichen Arrest tausender Kinder

Laut offiziellen Daten hat die Polizei in Rio zwischen 2015 und den ersten beiden Monaten von 2016 5.538 Minderjährige festgehalten. Während von offizieller Seite Stillschweigen über die Aufzeichnungen dieser Arreste herrscht, ist es wichtig zu notieren, dass Brasilien nach Nigeria die weltweit zweithöchste Rate an Kindesmorden aufweist. Die Vereinten Nationen behaupteten kürzlich, dass Straßenkinder unter unbegründetem Verdacht festgehalten werden und willkürlich in Jugendstrafanstalten gesteckt werden. Laut UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hat sich die Zahl der Kinder, die durch Gewalttätigkeiten ums Leben kamen, in den letzten beiden Jahrzehnten verdoppelt. 2013 stieg die Zahl der Tötungsdelikte gegenüber Jugendlichen auf 10.500 pro Jahr.

Insbesondere in Rio werden 16 Prozent der Tötungen durch die Polizei verübt, berichtet Amnesty International — angesichts dessen, dass in Brasilien jedes Jahr 10.500 Kinder ermordet werden, ist das eine besorgniserregende Tatsache.

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