Kleine Idee, großer Unterschied: Eine einfache SIM-Karte stoppt Selbstmord unter Landwirten in Indien

In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern macht der Agrarsektor eine bedeutende Beschäftigungsquelle für die Mehrheit der Bevölkerung aus. Besonders für Bewohner ländlicher Gebiete. Es ist ihre einzige Beschäftigungsquelle. Sie bauen Feldfrüchte an und züchten Tiere, vor allem für den Lebensunterhalt. Diejenigen, die dazu in der Lage sind, erweitern ihre Produktion und verkaufen das bischen, das sie haben, auf dem Markt, um ein wenig Geld zu bekommen, um andere Bedürfnisse abdecken zu können.

Da die Regierungen in einigen dieser aufstrebenden Nationen keine ganzheitliche Politik für den Agrarsektor entwickelt haben, bleibt den Landwirten keine andere Wahl, als mit ihren Kulturen und Tieren auf die Natur angewiesen zu sein. Deshalb sind diese Landwirte ihrem Schicksal überlassen. Sie verbringen das ganze Jahr mit Arbeit auf ihren Bauernhöfen, machen aber keinen wesentlichen Gewinn. Wegen der rasanten Veränderungen in den Witterungsbedingungen weltweit stehen diese Landwirte vor einer großen Herausforderung.

In der ländlichen Dorfgemeinschaft namens Kommireddipalli im südlichen Bundesstaat Telangana, Indien, ist die Situation erbärmlich. Viele Landwirte in der Gegend haben sich über die Jahre hinweg abgequält, um über die Runden zu kommen. Diejenigen, die es nicht schaffen, mit der Lage fertig zu werden, nehmen sich am Ende oft das Leben. Die englischsprachige Zeitung Hans India berichtet, dass viele der Selbstmörder unter den Landwirten in der Telangana-Region durch Ernte-Misserfolge in den Selbsttod getrieben wurden. Wenn es Missernten gibt, bedeutet dies, dass die Landwirte nicht in der Lage sein werden, sich und ihre Familien zu versorgen. Landwirte, vor allem die Männer, sehen daher im Selbstmord die einzige Lösung für das Problem.

Doch die Landesregierung im Telangana-Gebiet unterstützt die Landwirte nun, um solche Katastrophen zu verhindern. Die Telangana-Regierung hat eine gemeinnützige Organisation – das Internationale Kulturpflanzenforschungsinstitut für die Halb-Trocken-Tropenregionen (ICRISAT) rekrutiert, um Landwirte in Dürregebieten darin zu schulen, präventive Agrarpraktiken zu entwickeln.

Als ICRISAT seine Arbeit im Staat begann, trat ein Selbsthilfekollektiv weiblicher Landwirte, bekannt unter dem Namen Adarsha Mahila Samakhya (AMS), der Kampagne als Freiwillige bei, um das Leben der Landwirte in der Gegend zu verbessern. Gemeinsam haben ICRISAT und AMS sogenannte Village Knowledge Center (VKC) [„Wissenszentren“] in jedem Dorf im Staat gegründet. Ein VKC ist ein Kiosk, der den Landwirten die Möglichkeit gibt, mobile Geräte und Computer zu betreiben, um landwirtschaftliche Informationen aus statischen Webseiten zu erlangen.

Die Landwirte waren eifrig bemüht, sich mit der neuen Technologie vertraut machen. Es gab jedoch ein Problem. Der Text der Webseiten war komplett in Englisch, eine Sprache, die ihnen fremd war. Und um das Problem zu vervollständigen, sind viele der Landwirte dazu auch noch Analphabeten. Sie können den Text nicht lesen und in nicht irgendeiner Sprache verstehen. Dies war die größte Herausforderung für die Helfer von ICRISAT und AMS.

Es war in diesem Stadium, als eine Firma namens GreenSIM erschien, um zu helfen. GreenSIM wurde speziell entwickelt, um den Wohlstand der Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu optimieren. Das Gerät nutzt die Kernfunktionen einer SIM-Karte (Übermittlung von Anrufen und Texten), um kostenlose Voicemeldungen an Landwirte zu liefern und Updates für das Anbauen und Verkaufen von Kulturen anzubieten.

Um das Produkt ins Leben zu rufen, hat ICRISAT eine Gruppe von etwa 7.000 Landwirten mit GreenSIM-aktivierten Handys ausgestattet und begann, Textnachrichten über Wetter, Bodenfruchtbarkeit, Schädlingsbekämpfungsprobleme und Erntepreise zu erarbeiten, basierend auf Berichten der indischen Meteorologischen Abteilung und Daten, welche in Dörfern in ganz Telangana gesammelt wurden.

Die Nachrichten, die fünfmal am Tag als ausgehende Anrufe gesendet werden, decken von Wettervorhersagen über landwirtschaftlichen Rat (Fruchtfolge, Dünger-Mix-Empfehlungen, Anpassung an den Klimawandel), bis hin zur Benachrichtigung über Ernte- und Marktaktivitäten viele Bereiche ab.

Mit diesen den Bauern nunmehr zur Verfügung stehenden Informationen, müssen sie lediglich die Anweisungen befolgen. Die Sprachnachrichten werden ihnen in ihrer eigenen Landessprache übermittelt. Die Initiative verändert nun ihr Leben.

Landwirte, die sich zuvor abkämpften, um rund 80 bis 310 US Dollar pro Ernte zu verdienen, erwirtschaften mittlerweile etwa 1.853 bis 2.155 Dollar. Sie können es sich jetzt leisten, ihre Kinder in die Schule zu schicken und andere Grundbedürfnisse für ihr Leben zu befriedigen. Die Selbstmordrate sinkt rasch, und es gibt nun eine tatsächliche Änderung. Verantwortliche der Initiative hoffen, sie bald in andere Teile Indiens hinein erweitern zu können.

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