Scientology in Russland verboten: Moskauer Gericht greift hart gegen umstrittene Sekte durch

Russland greift hart gegen die umstrittene Psychosekte Scientology durch: Am Montag erging ein Beschluss des Moskauer Amtsgerichtes, demzufolge die Moskauer Filiale der Organisation geschlossen werden soll. Das Amtsgericht selbst handelte auf Anordnung des russischen Justizministeriums. Die Begründung: Scientology missbrauche die Religionsfreiheit für ihre Zwecke. Die Kirche von Scientology will gegen diesen Beschluss nun vorgehen.

Die genauen Gründe seien laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti markenrechtlicher Natur: Da „Scientology“ als US-amerikanische Marke eingetragen sei, könne man der Organisation nicht den Status einer Religionsgemeinschaft zuerkennen. „Die Vertreter von Scientology haben selbst viele rechtliche Konflikte geschaffen, als sie die religiöse Freiheit durch den Gebrauch von Markennamen einschränkten. Es stellt sich heraus, dass eine geschäftliche Partnerschaft die Religion verbreitet hat, obwohl Religion nur durch religiöse Organisationen verbreitet werden kann“, teilte das Justizministerium mit. Zudem seien für die Regulierung von Scientology eher Verbraucherschutzgesetze zuständig als religiöse Verordnungen.

Das Justizministerium hat der Moskauer Filiale nun sechs Monate Zeit gegeben, um ihre Aktivitäten einzustellen. Der Religionsgemeinschaft der Scientologen selbst gefällt das natürlich nicht: Scientology will gegen den Beschluss beim Obersten Gericht Berufung einlegen und berufen sich darauf, dass die Rechte ihre Anhänger verletzt würden. Gläubige Scientologen hätten nur in Moskau einen Priester, dieser müsse das Beichgeheimnis wahren. Auch das Argument mit dem Markenrecht wollen sie nicht gelten lassen: Ein Markenname würde das russische Bundesgesetz nicht verletzen, auch der Koran sei durch das Urheberrecht geschützt.

Bereits Anfang des Jahres durchsuchte die Moskauer Polizei die Räumlichkeiten der dort ansässigen Zentrale, nachdem die Medien darüber berichteten, dass Scientology ihre Anhängerschaft ausspioniert und mit den ausspionierten Erkenntnissen ihre Mitglieder erpresst. Derlei Einschüchterungsmaßnahmen sind nicht selten, sondern geradezu typisch für die berühmt-berüchtigte Sekte.

Immerhin: Das Justizministerium beweist mit seiner Stellungnahme feinen Sarkasmus: Die Kritik, dass Scientology (1952 gegründet) keine echten Glaubensinhalte propagiere, sondern seine Mitglieder nur abzocke und ihnen das Geld aus der Tasche ziehe, ist weder neu noch unbegründet. Der Erfinder von Scientology, Lafayette Ron Hubbard (1911-1986), war nicht nur ein eifriger Science-Fiction-Autor, sondern auch windiger Geschäftsmann, der immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten war, Geld zu verdienen (und wie könnte man das wohl besser als mit der Erfindung einer neuen Religion?). Scientology isoliert seine Anhänger vollständig von deren sozialem Umfeld und rät diesen dazu, sich von der Familie, den Verwandten und Bekannten abzukapseln. Kritiker der Organisation werden als „unterdrückerische Personen“ („suppressive people“) diffamiert und als Feinde betrachtet.

Nicht nur durch Diffamierung und Rufmord zeichnet sich die Bewegung aus, sondern auch durch gezielte Unterwanderung der Gesellschaft. In Amerika ist diese Unterwanderung schon sehr weit fortgeschritten. Zahlreiche Prominente sind Anhänger der Sekte – die bekanntesten dürften Tom Cruise und Dan Akroyd sein. Scientology versucht gezielt Einfluss auf die politische, wirtschaftliche, mediale und kulturelle Elite zu nehmen.

Seit 1997 wird Scientology in mehreren deutschen Bundesländern infolge eines Beschlusses der Innenministerkonferenz durch den Verfassungsschutz beobachtet. In einem offenen Brief vom 17.12.1992 an den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl inszenierte sich Scientology als Opfer und verglich die Kritik an ihr mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich. Trotz allem hat es die Organisation bis heute geschafft, in Deutschland relativ unproblematisch ihren gefährlichen Plänen nachgehen zu können. Anders ist die Situation etwa in Griechenland: Die griechische Regierung hat Scientology schon 1993 zum „Staatsfeind“ erklärt.

Das zentrale Weltbild von Scientology besteht in der Annahme, dass jeder Mensch einen unsterblichen „Thetan“ (etwa vergleichbar mit der Seele) besitze, der jedoch so stark traumatisiert sei, dass man ihn von seinem Leiden erlösen müsse. Die Befreiung von den Traumata könne man erlangen, wenn man hierzu die verschiedenen – und sehr viel Geld kostenden Seminare von Scientology besucht. Wenn der Thetan frei von den Traumata sei, sei man, so heißt es in der Sprache von Scientology, „clear“ (deutsch: rein, sauber).

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