Versteckte Spione: Wie funktioniert der “Staatstrojaner”?

Sie sollen dabei helfen, Terroristen und Kriminelle künftig besser zu überwachen: die “Staatstrojaner”. Mithilfe dieser Spionage-Software sollen die Behörden nun auch Messenger-Nachrichten von Verdächtigen abfangen und mitlesen dürfen – das hat der Bundestag gerade beschlossen. Was aber ist ein Staatstrojaner? Und wie wird er konkret eingesetzt?

Digitales Trojanisches Pferd

Das Pferd ist aus dem Stall: Die Polizei darf per “Bundestrojaner” ab sofort verschlüsselte Messengerdienste anzapfen.

Bei der Überwachung von Terroristen oder Straftätern haben Polizei und andere Ermittlungsbehörden bisher schon einige Möglichkeiten: Sie können Telefongespräche abhören, E-Mails mitlesen und auch SMS-Nachrichten von Verdächtigen abfangen und lesen. Allerdings: Heute findet ein Großteil der Kommunikation längst in sozialen Medien und über Messenger-Dienste statt – und das gilt auch für Terroristen oder kriminelle Straftäter. Der große Vorteil: Messenger wie WhatsApp, Signal oder Threema verschlüsseln ihre Nachrichten und sperren so auch die Behörden aus – jedenfalls bisher.Doch genau das soll sich nun ändern. Der Bundestag hat beschlossen, dass Ermittler sich in Zukunft auch Zugriff auf Messenger-Daten verschaffen dürfen. Diese sind jedoch normalerweise mit der sognannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor unbefugtem Mitlesen geschützt. Möglich wird diese Art der Überwachung daher nur, wenn die Ermittler die Nachricht noch im Smartphone des Senders -vor der Verschlüsselung abfangen können.

Wie kommt der Staatstrojaner auf den Rechner?

Genau hier liegt das Problem: Damit das Mitlesen funktioniert, muss eine spezielle Software auf das Smartphone oder Tablet des Verdächtigen geschmuggelt werden. Dies soll mithilfe eines sogenannten Trojaners bewerkstelligt werden. Der Name ist hierbei schon fast Programm: So, wie die Griechen sich einst im Bauch eines riesigen Holzpferdes in die belagerte Stadt Troja einschmuggelten, entert der Trojaner den Rechner, indem er sich tarnt.

Klickt der Nutzer auf einen scheinbar harmlosen Link oder einen E-Mail-Anhang, installiert sich die Software unbemerkt im Hintergrund. Auch der Download eines Fotos oder der Besuch einer entsprechend präparierten Website kann schon ausreichen, um sich den Trojaner einzufangen. Wenn die Ermittlungsbehörden den Staatstrojaner gezielt für eine bestimmte Überwachung maßgeschneidert haben, dann entgeht er dabei wahrscheinlich selbst einem aktuellen Virenprogramm.

Smartphonemenü

Der Bundestrojaner soll dabei helfen, die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Messenger-Diensten wie WhatsApp zu umgehen.

Was macht der Staatstrojaner?

Ist er einmal auf dem Smartphone oder Rechner installiert, kann ein Trojaner ganz unterschiedliche Funktionen ausführen. Im einfachsten Fall dient er nur der Überwachung der Messenger-Nachrichten. Offiziell spricht man dann von einer sogenannten “Quellen-Telekommunikations-Überwachung” (Quellen-TKÜ).  Ein solcher Trojaner hackt sich im Prinzip in die Messenger-App ein  und kommt so an die Nachrichten, bevor sie verschlüsselt und versendet werden.

Doch Staatstrojaner können noch mehr:  Je nach Software können sie beispielsweise Screenshots machen oder durch einen sogenannten Key Logger die Tastatureingaben aufzeichnen. Die extremste Form des Staatstrojaners bekommt sogar fast freie Hand: Er kann gezielt den gesamten Computer nach bestimmten Inhalten oder Dateien durchsuchen und diese dann an die Behörden senden. In diesem Fall sprechen die Behörden von einer Online-Durchsuchung.

Theoretisch kann ein Trojaner sogar den Rechner lahmlegen oder manipulieren. Ebenfalls möglich ist es, das Mikrophon oder die Kamera eines Smartphones, Tablets oder Rechners zu nutzen, um den Verdächtigen direkt zu beobachten oder abzuhören.

Wann darf der Trojaner eingesetzt werden?

Ob ein Staatstrojaner eingesetzt werden darf und wie viel er auf dem Smartphone oder Rechner des Verdächtigen herumschnüffeln darf, hängt vom jeweiligen Fall ab – und ist gesetzlich geregelt. Ist eine Online-Durchsuchung geplant, dann muss ein konkreter Tatverdacht für eine schwere Straftat vorliegen, zum Beispiel Hinweise auf einen Mord, einen Terroranschlag oder ähnlich schwere Verbrechen. Außerdem wird wie bei der Telefonüberwachung eine richterliche Anordnung benötigt.

Anders ist dies beim Überwachen von Messenger-Nachrichten: Hier kann schon der Verdacht auf Steuerbetrug, Hehlerei oder einen Verstoß gegen das Asylrecht ausreichen. Insgesamt 38 verschiedene Straftaten umfasst die Liste der dafür in Frage kommenden Verdachtsfälle. Experten schätzen, dass die Ermittlungsbehörden diese Form des Staatstrojaners daher stark einsetzen werden. Sie könnten so die Messenger-Kommunikation von tausenden von Nutzern ausspionieren.

Der Beschluss des Bundestages hat deshalb heftige Kritik ausgelöst. Denn diese Eingriffe widersprechen eigentlich dem Datenschutz und dem Recht auf Schutz der Privatsphäre. Ob das Gesetz tatsächlich so umgesetzt wird oder ob nicht noch dagegen geklagt wird, ist daher offen. Unklar ist auch, ob die Ermittlungsbehörden es überhaupt schaffen, Staatstrojaner zu konstruieren, die es bis auf die Smartphones der Verdächtigen schaffen.

Quelle: Wissne.de

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