Zerfleischt sich die islamische Welt selbst?

Den Muslimen stehen konfessionelle Kriege bevor, wie sie die Christen bereits hinter sich haben. Hauptakteure: Saudi-Arabien, die Türkei und der Iran.

Von Marco Maier

Der seit längerer Zeit schwelende Konflikt zwischen dem sunnitisch-wahhabitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran gilt schon seit einiger Zeit als ein mögliches Pulverfass für einen innerislamischen Konfessionskrieg.

Doch mit dem Disput zwischen den Saudis (plus ihren Salafisten-freundlichen Alliierten) und den Kataris (plus ihren Muslimbrüder-Freunden in der Türkei) bricht auch eine inner-sunnitische Bruchstelle auf, die schlussendlich sogar die Machtverhältnisse im islamischen Raum verschieben könnten.

Denn derzeit, so sieht es aus, scheinen die schiitischen Iraner und die Muslimbrüder Katars und der Türkei miteinander besser klar zu kommen. Sollten die saudischen Radikalinskis und deren Verbündeten tatsächlich Katar militärisch attackieren, wäre der Iran (samt der schiitischen Welt) wohl mit dabei, zusammen mit der Türkei gegen die Saudis in den Krieg zu ziehen.

Riad, welches zeit langer Zeit (Dank der Ölmilliarden) in der sunnitischen Welt den Ton angibt, wäre dann in der Defensivposition, zumal sich dann der Erzfeind Iran mit dem osmanischen Rivalen zusammenschlösse und so auch eine breite anti-saudische Front bilden würden.

Für die Türkei bestünde so die Möglichkeit, die neoosmanischen Träume von Präsident Erdoğan zu verwirklichen. Für den Iran bestünde so die Möglichkeit, den Erzfeind vernichtend zu schlagen und die schiitische Richtung des Islams gleichberechtigt neben den sunnitischen Islam zu stellen. Für Saudi-Arabien hingegen würde dies sehr wahrscheinlich die Entmachtung der Al-Saud-Familie mit sich bringen – und eine Marginalisierung von Wahhabiten bzw. Salafisten.

Die Saudis wissen das eigentlich, doch noch hoffen sie darauf, dass die ganzen in den letzten Jahrzehnten investierten Ölmilliarden in Moscheen und Imame weltweit doch für sie sprechen. Immerhin konnten sie so in Ländern wie Indonesien oder Malaysia auch die zuvor sehr liberalen muslimischen Länder zu Horten extremistisch-konservativen Fundamentalisten machen. Doch ob das ausreichen wird, darf bezweifelt werden.

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