Eine Familie aus Lörrach teilt ihr Haus mit Flüchtlingen – nicht mehr ganz freiwillig

Aus der Übergangs-Wohngemeinschaft des Lörracher Ehepaars Uhrmeister mit syrischen Flüchtlingen ist eine Dauerlösung geworden. Die Familie beklagt mangelnde Unterstützung der Stadt.

Im April 2016 nahm Familie Uhrmeister zwei junge Syrer in ihrem Haus auf. Im Januar kamen ihre Mutter und ihre Schwester nach. Was als Übergang gedacht war, ist zur Dauerlösung geworden. Denn offiziell sind die Flüchtlinge dadurch in der Anschlussunterbringung und die Stadt führt sie nicht mehr auf der Liste der zu versorgenden Menschen. Das hat den Uhrmeisters aber niemand gesagt.

Sie wollten gerne helfen, erinnert sich Tatjana Uhrmeister. Ihre fünf Kinder sind aus dem Haus, kommen nur noch zu Besuch. Wohngäste auf Zeit hatten sie oft, manchmal für mehrere Wochen. Also nahmen sie die Brüder Ahmad und Mohammad Allaham Karki im April 2016 bei sich auf, die bis dahin in der Flüchtlingsunterkunft in Hauingen wohnten. Ein Dreivierteljahr später konnten die Mutter und die Schwester der beiden nach Deutschland nachkommen. Seitdem leben sie mit dem Ehepaar in einer Art Wohngemeinschaft, denn das Reihenhaus in Stetten hat keine getrennte Einliegerwohnung.

Trotz Rücksichtsnahme sehr belastend

Die Syrer haben zwei Zimmer im Obergeschoss und es gibt zwei Bäder, aber die Küche müssen sie sich teilen, gegessen wird meist getrennt. Denn den Deutschen und den Syrern ist gleichsam ihre Esskultur wichtig. „Die Familie richtet sich total rücksichtsvoll mit ihren Essenszeiten nach uns“, sagt Michael Uhrmeister. Trotzdem ist es eng im Haus, das man sich eben als eine Wohneinheit teilt. Auch die Kinder der Familie können seitdem nicht mehr bei ihren Besuchen im Elternhaus in Lörrach übernachten. Die Situation sei belastend, sagt das Ehepaar.

Auch die Syrer würden sich eine eigene Wohnung wünschen „Für uns ist es auch nicht leicht“, sagt Ahmad Karki, auch wenn die Familie Uhrmeister sehr nett sei. Er und seine Schwester besuchen das Hans-Thoma-Gymnasium; Mohammad Allaham Karki hat gerade den Sprachkurs mit B1-Niveau absolviert und ist als gelernter Karosseriebaumechaniker auf der Suche nach Arbeit. „Wir suchen schon die ganze Zeit, übers Internet, über Freunde“, sagt Ahmad Karki. „Wir brauchen auch keine riesige Wohnung.“

Stadt sieht die Flüchtlinge versorgt

Eigentlich müsse hier die Stadt bei der Suche nach einer Wohnung helfen, sagt Regina Häger, eine Freundin der Familie, die die Karkis und die Uhrmeisters zusammenbrachte. Doch die sieht sich nicht zuständig: „Da die Familie bereits eine Wohnung/Zimmer gefunden hat, ist sie bereits in der Anschlussunterbringung und steht tatsächlich nicht mehr auf der Liste der zu versorgenden Menschen“, teilt Pressesprecher Alexander Fessler mit.

Und das Landratsamt ist mit dem Auszug aus der Gemeinschaftsunterkunft ohnehin nicht mehr zuständig. „Dass diese private Hilfsmaßnahme als Anschlussunterbringung eingestuft wird, wurde nie kommuniziert“, beklagt Regina Häger.

Sozialarbeiterin war nur einmal da

Seitens der Stadt empfahl man, die syrische Familie möge sich auf der Liste der Wohnungssuchenden der Wohnbau eintragen, auf der bekanntlich rund 3000 Wartende stehen. „Hier können die Stadt und die Sozialarbeiter unterstützend helfen, in dem auf die Dringlichkeit der Wohnungssuche hingewiesen wird“, so Fessler.

Es habe mehrere Kontakte zur Familie gegeben. Die beiden Familien hingegen berichten, die Sozialarbeiterin der Diakonie sei lediglich im Dezember vergangenen Jahres einmal zu Besuch gewesen. „Ich habe sie nach einer Wohnung gefragt, aber sie sagte, sie könne uns auch nicht helfen“, sagt. Immerhin bekommen die Uhrmeisters Miete vom Jobcenter bezahlt: 150 Euro pro Person.

Das Haus muss wohl bald verkauft werden

Die Situation wird dadurch verschärft, dass das Ehepaar Uhrmeister aus persönlichen Umständen möglicherweise sehr bald und sehr schnell ihr Haus verkaufen muss. Was dann aus der syrischen Familie werden soll, ist ungewiss.

Aber auch das würde für die Stadt nichts an der Situation ändern: „Falls Familie Uhrmeister wegzieht und ihr Haus verkaufen möchte, ist es normalerweise wie bei jedem anderen Mietvertrag so, dass der neue Eigentümer in den Mietvertrag eintritt.“ Doch wie wahrscheinlich ist es, dass ein neuer Hausbesitzer auch in einer deutsch-syrischen Wohngemeinschaft leben will? „Wir erwarten nicht, dass die Stadt zaubert“, sagt Michael Uhrmeister. „Aber ein bisschen mehr Unterstützung hätten wir schon erwartet.“

Quelle: Badische Zeitung

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