Kippen gegen Zeckenangriff: Vögel schützen ihre Nester mit Zigaretten-Reste vor Parasiten

Zum Schutz vor Parasiten: Vögel bauen in ihre Nester Zigaretten mit ein
Wenn Gesundheitsexperten darauf hinweisen, wie man sich am besten vor Zecken schützt, werden Zigaretten nie erwähnt. Anderen Lebewesen können die Glimmstängel aber dabei offenbar helfen. Laut einer Studie aus Mexiko bauen Vögel gezielt Zigarettenstummel ein, um sich vor Parasiten zu schützen. Heimische Tiere zeigen ähnliche Verhaltensweisen – manche von ihnen nutzen sogar Heilkräuter.

 

Finken bauen gezielt Zigarettenstummel in Nester ein
In einer Studie mexikanischer Forscher hat sich gezeigt, dass Finken, die in Städten leben, gezielt Zigarettenstummel in ihre Nester mit einbauen. Die Vögel nutzen die Kippen offenbar, um sich vor Parasiten wie Zecken zu schützen, berichten Monserrat Suárez-Rodríguez und Constantino Macías García von der Universidad Nacional Autónoma de México im Fachmagazin „Journal of Avian Biology“. Auch hierzulande gibt es Vögel mit ähnlichen Verhaltensweisen – manche nutzen sogar Heilpflanzen.

Forscher haben herausgefunden, dass manche Vögel gezielt Zigarettenstummel in ihre Nester mit einbauen. Die Tiere nutzen die Kippen offenbar, um sich vor Parasiten wie Zecken zu schützen. (Bild: Jiri Hera/fotolia.com)

Gerauchte Kippen dienen der Parasitenabwehr
Schon in einer früheren Untersuchung beschäftigten sich die mexikanischen Wissenschaftler mit dem Thema.

„Die Urbanisierung ist für Biologen zunehmend interessant, weil sie erhebliche Veränderungen der Artenzusammensetzung, der Arteninteraktionen und der ökologischen und evolutionären Prozesse bewirkt“, schrieben die Forscher 2012 im Fachjournal „Biology Letters„.

Schon damals meinten die Experten: „Wir haben den ersten Beweis dafür erbracht, dass gerauchte Zigarettenkippen als Parasitenabwehr in städtischen Vogelnestern fungieren können.“

Zigarettenfilter vertreiben Zecken
Im Rahmen ihrer aktuellen Studie haben die beiden Forscher Nester von Hausgimpeln (Carpodacus mexicanus) untersucht, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Diese Vögel zählen zur Familie der Finken. Die Wissenschaftler tauschten auf dem Unicampus Teile von 32 Nestern aus. In zehn Nester setzten sie lebende Zecken, in zehn legten sie tote Zecken, die zwölf übrigen blieben unbehandelt.

Es zeigte sich, dass insbesondere jene Finken Zigarettenfilter sammelten, deren Nester von lebenden Zecken befallen waren.

Bislang war unklar, ob die Tiere die Fasern womöglich auch deshalb einsammeln, weil sie beispielsweise besonders gut isolieren. In der Studie konnte ein solcher Wärmeeffekt nicht festgestellt werden.

Doch die Gimpel konnten vermutlich eine Verbindung zwischen den Fasern und Zeckenfreiheit herstellen.

Es zeigte sich, dass einige Weibchen, die Fasern in präparierte Nester brachten, dies auch schon bei ihren ursprünglichen Nestern gemacht hatten. Laut den Forschern hätten die Vögel dies möglicherweise aus früherem Zeckenbefall gelernt.

Heimische Vogelarten nutzen Heilkräuter
Wie die dpa berichtet, kennt Helga Gwinner vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen vergleichbare Verhaltensweisen von heimischen Vogelarten.

So habe sich eine Starenkolonie in Bayern auf Schafgarbe und andere ätherische Ölpflanzen als Nestmaterial spezialisiert. Durch die Kräuter werde das Bakterienwachstum in den Nestern reduziert.

„Die Stare suchen auf den Wiesen genau diese Pflanzen. Sie zeigen die Blumen und Kräuter sogar beim Balzverhalten den Weibchen, bevor sie die Pflanzen in das Nest einweben“, erklärte die Expertin laut der Agentur.

Belastung für die Umwelt
Gwinner zufolge hätten die Kräuter zudem einen positiven Effekt auf die Tiere selbst. Demnach waren Vogeljunge, die in solchen Nestern aufwuchsen, schwerer, hatten bessere Blutwerte und bessere Chancen, wieder aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückzukehren.

Laut den mexikanischen Wissenschaftlern könnte die Verwendung von Zigarettenstummeln für die Gimpel möglicherweise auch negative Folgen haben.

Das Team hat bei der jahrelangen Beobachtung der Finkennester in Mexiko-Stadt allerdings noch keine langfristigen Schäden für die Vögel registriert. Zwar müsse dies noch genauer untersucht werden, doch bis dahin könne der Einbau der Fasern in die Nester als eine Form von Selbstmedikation betrachtet werden.

Weggeworfene Zigarettenstummel sind aber grundsätzlich nicht nur ein ästhetisches Ärgernis, sondern auch ein Problem für die Umwelt.

Wissenschaftlichen Studien zufolge zersetzen sich die Filter aus Zelluloseacetat-Fasern erst nach Jahren. In benutzten Filtern sind Giftstoffe wie Teer und Nikotin enthalten, die in Böden und Gewässer gelangen können.

Quelle: Heilpraxisnet.de

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