Liebe und Sex: Ausstellung soll Flüchtlingen zeigen, wie das geht

Mit Fotostories, Comics und Plüschpenis | Liebe, Sex, Geschlechtskrankheiten: Themen, bei denen schon deutsche Schüler rot anlaufen. Noch schwerer tun sich Flüchtlinge. Eine Ausstellung soll helfen, Tabus zu überwinden.

Miesbach – Die „Lovestory“ ist eigentlich völlig harmlos. Zumindest im westlichen Kulturkreis. Ein Junge und ein Mädchen lernen sich kennen, gehen zusammen etwas trinken. Sie verabschieden sich mit einer Umarmung. „Das ist für Araber undenkbar“, sagt Caritas-Sozialpädagogin Alexandra Maier, als sie durch die auf kleinen Holzplatten aufgedruckte Fotogeschichte blättert.

Das Mini-Bilderbuch zum Umklappen hängt an einer Stellwand in einem Klassenzimmer der Berufsschule Miesbach. Es ist Teil der Wanderausstellung „Only Human. Leben. Lieben. Mensch sein.“, die der Caritasverband zusammen mit der Erzdiözese München und Freising konzipiert hat. Bis einschließlich 27. Juli macht die Schau in der Kreisstadt Station. Sie soll helfen, Vorurteile und Schamgefühle im Umgang mit Themen wie Liebe und Beziehungen, Sexualität, Geschlechtskrankheiten und Aids abzubauen.

In erster Linie richtet sie sich die Ausstellung an Schüler mit Migrations- und Fluchthintergrund. „Es können aber auch andere Klassen durchgehen“, betont Maier. Raimund Schlögl, der als Mitglied der Schulleitung für die sechs Berufsintegrationsklassen zuständig ist, begrüßt dies. „Nicht jeder Lehrer tut sich leicht, das im normalen Unterricht anzusprechen.“

Bei der Ausstellung helfen interkulturelle Schautafeln. Die Texte sind in zehn Sprachen verfasst. Bilder, Symbole, verschiedene Anschauungsobjekte und sogar Tablets mit Filmen und Spielen erleichtern das Verständnis. „Nicht bierernst, sondern locker und auch mal mit Humor“, sagt Maier und nimmt einen Plüsch-Penis in die Hand. Es sei in Ordnung, wenn die Schüler zuerst lachen würden. „Das baut Hemmungen ab.“ Und helfe dabei, dass sie sich auch auf die ernsteren Themen der Ausstellung einlassen.

So können die jungen Leute mit einem elektronischen Stift auf ein Modell des menschlichen Körpers tippen. Anhand von aufleuchtenden Lämpchen erkennen sie, wo eine Übertragung des HIV-Virus möglich ist. Comic-Bildchen zeigen, dass dies beim Geschlechtsverkehr zwischen Männern und Frauen genauso passieren kann wie bei homosexuellen Partnern. „Wir wollen klar machen, dass Aids keine Schwulenkrankheit ist“, sagt Maier.

Eine wichtige Botschaft taucht dabei immer wieder auf: Wer Veränderungen an seinem Körper feststellt, sollte zum Arzt gehen. Auch davor würden Flüchtlinge manchmal noch zurückscheuen. „Sie kennen unser Hausarztsystem nicht und meinen, es kann ihnen nur im Krankenhaus geholfen werden“, erklärt Maier.

Caritas-Ehrenamtskoordinator Franz Lutje ist dankbar, dass die Ausstellung auch das Thema Verhütung behandelt. Immer wieder würden Mitarbeiter der Asylhelferkreise berichten, dass weibliche Flüchtlinge schnell und oft schwanger würden. „Verhütung ist da oft noch ein Tabu“, sagt Lutje. Auch die Gleichstellung von Mann und Frau hält er für einen entscheidenden Bestandteil der Schau. „Die Frauen sollen wissen, welche Rechte sie in unserem Land haben“, betont Lutje.

Versinnbildlicht wird dies mit Hilfe von Playmobil-Figuren auf einer Balkenwaage. Egal ob hell- oder dunkelhäutig, Mann oder Frau: Die Plastikmenschen sind genau gleich schwer. Eine spielerische Weise, den Artikel 1 des Grundgesetzes zu vermitteln. Und auch diese Station richtet sich nicht nur an Flüchtlinge, sagt Maier. Vorurteile – zum Beispiel gegen Homosexuelle – gebe es überall. Der Appell der Ausstellung ist klar: „Man muss nicht alles gut finden, aber man muss es akzeptieren.“

 

Quelle: Merkur

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