Polizist zerschlägt Autofenster und rettet Babypuppe aus einem Auto.

Als der Polizist Jason Short im August 2016 im Städtchen Keene im US-amerikanischen Bundesstaat New Hampshire zu einem Notruf eilt, befürchtet er das Schlimmste.

Jemand hat gemeldet, dass auf einem Parkplatz vor dem örtlichen Supermarkt ein Baby mitten in der prallen Sommerhitze in einem Auto gefangen ist.

Als Jason auf dem Parkplatz eintrifft, bietet sich ihm genau das beschriebene, furchtbare Bild. In der glühenden Hitze liegt auf dem Sitz des verschlossenen Wagens eine regungslose kleine Kindergestalt unter einem Deckchen, daneben eine Trinkflasche mit Milch.

 

Jason überlegt nicht lange. Er nimmt seinen Schlagstock, zertrümmert das Autofenster und holt das Baby aus dem Wagen.

Das Kind ist leblos und atmet nicht. Jason versucht vorsichtig, es wiederzubeleben, aber es rührt sich nicht. Er ruft per Funk einen Krankenwagen herbei und sieht dann nach, ob etwas die Atemwege des Kindes blockiert.

„Als ich meinen Finger in seinen Mund steckte, fühlte sich darin alles merkwürdig und hart an. Und da wusste ich, das ist eine Puppe“, erzählt Jason den Medien.

 

Jason ist zugleich erleichtert und verstört: Bei dem vermeintlich in Lebensgefahr schwebenden Baby handelt es sich um eine lebensechte Puppe. Wie sich herausstellt, gehört die Puppe der Besitzerin des Wagens, Carolynne Seiffert. Es ist kein Zufall, dass sie so lebensecht aussieht, dass Jason sie für ein echtes Baby hielt.

Im Jahr 2005 verlor Carolynne ihren 20 Jahre alten Sohn an die unheilbare Stoffwechselerkrankung Morbus Hunter. Seitdem geht sie mit ihrem Verlust und der Trauer um, indem sie lebensechte Puppen sammelt. Sie besitzt etwa 40 davon.

Diese Puppen sind als sogenannte „Reborn Dolls“ („Wiedergeburtspuppen“) bekannt und werden absichtlich mit großem Aufwand so gestaltet, dass sie echten Babys und Kleinkindern bis ins letzte Detail ähneln. Sie sollen Eltern, die ein Kind verloren haben, dabei helfen, über ihren Schmerz hinwegzukommen.

Ob die Puppen tatsächlich bei der Trauerarbeit der Eltern helfen können, ist nicht erwiesen. Carolynne sagt, sie sei bereits für ihre Puppen ausgelacht worden.

„Niemand kann darüber urteilen, wie ein Mensch mit dem Verlust in seinem Leben umzugehen beschließt“, verteidigt sie ihre Sammlung.

Die Polizei von Keene wird Carolynne das zerbrochene Fenster ersetzen, steht aber zu dem Handeln ihres Beamten.

„Ich werde nie einfach annehmen, das sei eine Puppe. Ich werde immer davon ausgehen, dass es ein Kind ist. Ich würde nichts anders machen“, sagt auch Jason.

Carolynne verspricht, in Zukunft einen Aufkleber an ihrem Wagen anzubringen, der auf die Puppe hinweist.

 

Bleibt zu hoffen, dass die detaillierten Puppen ihr dabei helfen können, ihren Schmerz zu verarbeiten.

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