Tiger: König des Dschungels in Gefahr

Der Tiger ist die größte Raubkatze der Erde – ein echter König des Dschungels. Doch er kämpft ums Überleben. Innerhalb der letzten hundert Jahre hat der Tiger mehr als 90 Prozent seines Lebensraums verloren. Weltweit leben nur noch knapp 4.000 dieser prächtigen Raubkatzen in freier Wildbahn. Zum internationalen Tag des Tigers stellen wir den König des Dschungels vor.

Kopf eines Tigers

Der majestätische Tiger ist die größte Raubkatze des Planeten.

Während Löwen und Leoparden vor allem in den Savannen Afrikas jagen, ist die Domäne des Tigers der Wald. Dabei ist er erstaunlich anpassungsfähig: Er kommt in den tropischen Dschungeln Südostasiens ebenso vor wie in den kalten Nadelwäldern Sibiriens oder den Laubwäldern Chinas. Sogar in Sumpfwäldern und zwischen Mangroven ist der Tiger heimisch. Kamerafallen haben Sibirische Tiger sogar schon im Himalaya auf 4.000 Metern Höhe gesichtet.In Anpassung an diese verschiedenen Lebensräume hat der Tiger im Laufe der Evolution neun Unterarten entwickelt. Die Spanne reicht vom massigen Amurtiger mit knapp drei Metern Länge und bis zu 325 Kilogramm Gewicht bis zum eher zierlichen Sumatratiger, der nur knapp 1,50 Meter lang wird. Vier der Unterarten des Tigers sind jedoch bereits ausgestorben: Der Malaysische, der Java-Tiger und der Kaspische Tiger sind völlig verschwunden, den Südchinesischen Tiger gibt es nur noch in Zoos.

Tiger in Buschland

Die Färbung des Tigerfells passt sich dem Lebensraum des Tieres an und kann von Rötlichgelb bis fast Weiß schwanken.

Jäger im Unterholz

Sein gestreiftes Fell verleiht dem Tiger im dichten Unterholz der Wälder eine fast perfekte Tarnung. Hier lauert er in der Dämmerung und nachts auf seine Beute – und setzt dabei voll auf das Überraschungsmoment. Dicke, weiche Sohlenpolster sorgen dafür, dass er sich beim Umherschleichen lautlos bewegen kann. Kommt ihm ein Beutetier nichtsahnend nahe, springt er blitzschnell aus seinem Versteck und sprintet auf das Opfer zu. Dabei kann er bis zu 60 Stundenkilometer schnell werden – wenn auch nur über eine extrem kurze Distanz.

Mit einem Sprung stürzt sich die Raubkatze auf die Beute und tötet sie mit einem Kehl- oder Nackenbiss. Mit ihren scharfen, gekrümmten Krallen hält sie das Tier dabei fest. Die Erfolgsquote des Tigers liegt bei der Jagd allerdings nur bei rund zehn Prozent: Nur bei jeder zehntem Versuch erwischt er seine Beute. Zu dieser gehören vor allem Hirsche, Wildrinder und Wildschweine. Er jagt aber auch Affen, Vögel und größere Echsen und schreckt auch vor junge Elefanten und Nashörnern nicht zurück.

Sogar Fische fängt die Raubkatze, denn im Gegensatz zu vielen anderen Katzen ist sie nicht wasserscheu und kann recht gut schwimmen. An heißen Tagen nehmen Tiger sogar gerne mal ein Bad im Fluss, um sich abzukühlen.

Badender Tiger

Tiger sind gute Schwimmer und nehmen an heißen Tagen gerne mal ein erfrischendes Bad.

Enorme Territorien – und knapper Lebensraum

Und noch etwas unterscheidet den Tiger vom Löwen: Er ist ein Einzelgänger. Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Paarungszeit, den Rest des Jahres über leben sie in jeweils eigenen, großen Territorien. Je nachdem, wie beutereich ein Gebiet ist, kann ein Tigerrevier zwischen 20 und 400 Quadratkilometer umfassen.

Doch genau dies ist den Raubkatzen inzwischen zum Verhängnis geworden: Durch die Abholzung der asiatischen Wälder und das Vordringen von Siedlungen in viele zuvor unberührte Waldgebiete schrumpft ihr Lebensraum immer weiter. Bis vor hundert Jahren erstreckte sich das Verbreitungsgebiet der Tiger noch über ganz Asien. Doch seither haben vor allem die Rodung von Wäldern und der Verlust des Lebensraums die Bestände dieser Raubkatzen und ihre Verbreitung stark dezimiert. Kleine Restpopulationen von Tigern leben heute noch in Indien, China, Russland und Bangladesch, sowie in Südostasien und im Himalaya.

Anzeige

Jagd auf den König des Dschungels

Aber auch die Jagd kostete viele Tiger das Leben. Denn wegen ihres prachtvollen Fells und der beeindruckenden Größe waren dies Raubkatzen lange eine begehrte Trophäe für Großwildjäger. Nach dem Zweiten Weltkrieg strömten vor allem Trophäenjäger aus Europa und den USA nach Indien und Nepal, um dort Tiger zu schießen. Allein zwischen 1966 und 1969 wurden nach offiziellen Angaben 480 Tiger in Indien als Jagdbeute geschossen.

Heute sorgt vor allem die Nachfrage aus China dafür, dass Wilderer illegal Tiger abschießen. Denn nahezu allen Körperteilen der Raubkatze werden in der chinesischen Medizin Heilkräfte zugeschrieben. Vor allem die gemahlenen Tigerknochen sollen gegen Rheuma und diverse andere Krankheiten helfen. Obwohl die Tiger seit 1975 weltweit unter strengem Schutz stehen, werden sie daher vor allem in Südostasien illegal gejagt. Auf dem chinesischen Schwarzmarkt wurden Tigerknochen vor einigen Jahren für mehr als 6.500 US-Dollar pro Kilogramm gehandelt. Der Abschuss der streng geschützten Raubkatzen ist daher noch immer ein lukratives Geschäft.

Karte mit Verbreitungsgebieten des Tigers in Ostasien

Ehemalige (beige) und heutige (grün) Verbreitungsgebiete des Tigers in Süd- und Ostasien, die Unterartengrenzen sind durch gestrichelte Linien gekennzeichnet.

Hat der Tiger eine Zukunft?

Die traurige Bilanz: Heute leben nur noch weniger als 4.000 Tiger in freier Wildbahn. Die Raubkatzen gelten als stark bedroht und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Um die letzten Tiger zu retten, haben sich im Jahr 2010 die Staats-  und Regierungschefs aller 13 Länder, in denen heute noch Tiger vorkommen, erstmals zu einem “Tiger-Gipfel” getroffen.

Auf dem Gipfeltreffen beschlossen die Politiker einen globalen Tiger-Rettungsplan, mit dem der Bestand der Raubkatzen bis zum Jahr 2022 wieder verdoppelt werden soll. Das umzusetzen, ist allerdings nicht einfach: Zum einen ist es schwer, überhaupt genau zu ermitteln, wo wie viele Tiger leben. Sie vor Wilderei zu schützen, ist entsprechend schwierig. Zum anderen gehen in vielen der eher ärmeren Länder im Zweifelsfall wirtschaftliche Interessen oft vor – der Naturschutz muss dann zurückstehen. Ob der König des Dschungels daher langfristig überlebt, bleibt abzuwarten.

Quelle: Wissen.de

Related Posts

Einen Kommentar hinzufügen