Wanderröte: Warnsignal nach Zeckenstich

Als Wanderröte (Erythema migrans) bezeichnet man eine Rötung der Haut, die häufig im ersten Stadium der durch Zecken übertragenen Erkrankung Lyme-Borreliose auftritt. Typischerweise tritt die Wanderröte einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich auf und breitet sich kreisförmig von der Stichstelle aus.

Allerdings kommt es nicht in allen Fällen der Borreliose zu einer Wanderröte. Zudem kann das Erscheinungsbild sehr unterschiedlich sein und ist daher oftmals schwer von anderen Ursachen einer Hautrötung abzugrenzen. Bei Verdacht auf Wanderröte sollte daher ein Bluttest auf Borreliose erfolgen. Ist dieser positiv, kann eine Behandlung mit einem Antibiotikum das Fortschreiten der Erkrankung verhindern.

Ursache von Wanderröte

Die Wanderröte wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht, das wie das FSME-Virus über den Speichel einer Zecke auf den Menschen übertragen wird. So kann es durch einen Zeckenstich zu einer Infektion mit Borrelien und dadurch zu einer Borreliose kommen.

Häufig beginnt die Erkrankung mit dem Auftreten der Hautrötung, eine Borreliose ohne Wanderröte kommt jedoch in etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle vor.

Was ist Wanderröte?

Die klassische Wanderröte ist eine Rötung der Haut, die sich nach einem Zeckenstich kreisförmig um die Einstichstelle herum zunehmend ausbreitet. Häufig bildet sich dabei eine ringförmige Abblassung aus, wobei der Zeckenstich in der Mitte meist deutlich zu erkennen ist.

Fälschlicherweise wird umgangssprachlich oft von einem Zeckenbiss gesprochen, obwohl Zecken den Menschen genau genommen nicht beißen, sondern stechen.

Wanderröte erkennen

Anders als ein Mückenstich oder Bremsenstich ist die Wanderröte in der Regel nicht geschwollen und deutlich größer (meist über fünf Zentimeter Durchmesser). Schmerzen und Juckreiz treten eher selten auf, allerdings ist der Bereich der Rötung häufig überwärmt.

Zusätzlich können grippeähnliche Symptome auftreten:

  • Fieber und Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Übelkeit
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Schwellung der Lymphknoten
  • brennende, tränende Augen

Verwechslungsgefahr: Atypische Wanderröte

Die Ausprägung der Wanderröte kann sehr unterschiedlich sein. Eine sogenannte atypische Wanderröte ist nicht selten und kann deutlich von dem klassischen kreisförmigen Bild abweichen.

So kann die Rötung bei atypischer Wanderröte intensiv und flächig sein oder nur blass und streifenförmig – auch mehrere Rötungen über den Körper verteilt sind möglich. Die Farbe kann von hellrosa über intensiv-rot bis zu bläulich-lila variieren. Zudem können bei atypischer Wanderröte Quaddeln, Blasen oder Knötchen auftreten.

Ab wann tritt Wanderröte auf?

Auftreten und Dauer der Wanderröte können stark variieren: In der Regel tritt die Rötung 3 bis 30 Tage nach dem Zeckenstich auf. Wie lange die Wanderröte besteht, wird von der Behandlung beeinflusst – je früher eine antibiotische Therapie begonnen wird, desto eher klingt die Rötung ab.

Meist beträgt die Dauer einige Tage bis Wochen, jedoch kann die Rötung auch über Monate bestehen – man spricht dann von chronischer Wanderröte(Erythema chronicum migrans).

Was sieht ähnlich aus wie Wanderröte?

Aufgrund des unterschiedlichen Erscheinungsbilds ist die Wanderröte häufig nur schwer von anderen Formen der Hautrötung zu unterscheiden. Die folgende Übersicht kann Ihnen helfen, mögliche Ursachen abzugrenzen:

  • Ein Insektenstich juckt in den meisten Fällen, zudem treten Rötung und Schwellung direkt nach dem Stich auf und klingen nach wenigen Tagen ab.
  • Bei einer Wundrose (Erysipel) sind Begleitsymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Überwärmung der Haut meist stark ausgeprägt. Außerdem kommt es oft zu einer Schwellung und Schmerzen.
  • Eine allergische Reaktion auf ein Medikament (Arzneimittelexanthem) geht ebenfalls häufig mit Schmerzen sowie mit starkem Juckreiz einher. Zudem lässt sich meist ein Zusammenhang zu der Einnahme eines neuen Medikaments herstellen – oft ist ein Antibiotikum die Ursache.
  • Eine Entzündung der Unterhaut (Hypodermitis), die unter anderem in Zusammenhang mit einer Venenschwäche auftreten kann, äußert sich typischerweise durch eine verdickte und verhärtete Rötung und tritt oftmals an beiden Unterschenkeln symmetrisch auf.
  • Gewisse Formen der Autoimmunerkrankung Sklerodermie können sich durch runde, rötliche Hauterscheinungen äußern. Jedoch ist auch hierbei eine Hautverhärtung typisch.
  • Herpes und Gürtelrose gehen meist mit Schmerzen einher. Zudem kommt es oftmals nach einigen Tagen zu einer Bläschenbildung.
  • Bei der Tinea corporis – einer Pilzerkrankung der Haut – kann es zu ringförmigen, juckenden Rötungen kommen, die häufig im Randbereich schuppen und Pusteln bilden.

Diagnostik: Bluttest nicht immer notwendig

Erkennt der Arzt eindeutig eine typische Wanderröte (Blickdiagnose), ist dies ein Beleg für das Vorliegen einer Borreliose. Daher sollte ohne weitere Diagnostik eine Behandlung mit Antibiotika begonnen werden – auch wenn sich der Patient nicht an einen Zeckenstich erinnern kann.

In unklaren Fällen können verschiedene Bluttests erfolgen, um die Wanderröte als Symptome einer Borreliose zu diagnostizieren oder auszuschließen. Dabei wird das Blut auf Antikörper gegen Borrelien untersucht. Selten wird eine Hautprobe (Biopsie) aus dem Bereich der Rötung entnommen, um die Erreger direkt nachweisen zu können.

Wanderröte: Was hilft?

Die Behandlung erfolgt in der Regel durch das Antibiotikum Doxycyclin. In der Schwangerschaft und bei Kindern unter neun Jahren darf der Wirkstoffjedoch nicht angewendet werden, alternativ wird dann meist Amoxicillin, seltener Cefuroxim oder Azithromycin eingesetzt.

Da die Wanderröte durch Bakterien verursacht wird, sind Cremes – etwa mit Cortison – wirkungslos.

Therapie: Je früher desto besser

Die Dauer der Behandlung beträgt meist zwei bis drei Wochen. Wird frühzeitig mit einer Therapie begonnen, ist die Prognose der Wanderröte sehr gut: Ein chronischer Verlauf oder ein Übergang in fortgeschrittene Stadien der Borreliose kann dadurch häufig verhindert werden.

Wanderröte vorbeugen

Ein Impfstoff gegen Borrelien existiert derzeit nicht. Der Schutz vor Zecken ist daher die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Kommt es dennoch zu einem Zeckenstich, sollte die Zecke möglichst früh (innerhalb der ersten 24 Stunden) entfernt werden. Denn je länger die Zecke in der Haut steckt, desto höher ist das Risiko der Übertragung von Borrelien.

Danach sollte die Einstichstelle sechs Wochen lang beobachtet werden, um eine Wanderröte frühzeitig zu erkennen.

Antibiotika-Prophylaxe nicht sinnvoll

Eine prophylaktische Antibiotika-Behandlung nach einem Zeckenstich kann zwar unter Umständen das Risiko einer Borrelieninfektion vermindern. Allerdings ist das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken, generell eher gering: In nur 0,3 bis 1,4 Prozent kommt es nach einem Zeckenstich zu einer Erkrankung.

Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wird daher eine vorbeugende Einnahme von Antibiotika nicht empfohlen.

Quelle: Gesindheit.de

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