Warum das Summen verstummt

Warum verschwinden die Bienen? Woch doch der heute so viel weiß und so gezielt in den Superorganismus Bienenstock eingreifen kann. Dieses Buch verknüpft die Frage nach dem Sterben der Bienen mit den Lebensgeschichten dreier Menschen und zieht so nicht nur Bienenliebhaber in seinen Bann

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Foto: (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen

Die moderne Imkerei hat Lorenzo Langstroth viel zu verdanken. Die Entdeckung des amerikanischen Pastors und Insektenkundlers erleichterte den Imkern den Zugang zum begehrten, süßen Gold, dem Honig. Bienen dichten jede noch so kleine Ritze oder Öffnung mit Propolis ab, einer harzigen Masse, die sie selbst herstellen. Sie bietet dem Volk Schutz vor Krankheiten, tötet Pilze, Bakterien oder Viren im Stock ab. Für den Imker eine lästige, klebrige Angelegenheit, weil sie den Zugang zum Stock und damit die Honigernte erschwert. Im Sommer 1851 entdeckte Langstroth die sogenannte „bee space“, die optimale Distanz innerhalb des Stocks, die Bienen nicht mit Propolis oder wild mit Wachs zubauen. Sie beträgt acht bis zehn Millimeter. Wird dieser Abstand bei der Konstruktion einer Bienenbehausung eingehalten, ist das Imkern mit beweglichen Waben, die der Imker herausnehmen kann, problemlos und ohne Wildbau möglich. Wenig später stellte Langstroth eine neue Form des Bienenkorbs vor, ein modulares System, bestehend aus mehreren Holzkisten, in die der Imker die Rähmchen mit den Honigwaben von oben einhängt – die Magazinbeute. Ein Meilenstein auf dem Weg der modernen Bienenhaltung.

Das Verschwinden der Bienen als Familiengeschichte

Seitdem ist es dem Menschen möglich, sehr gezielt in den Bienenstock, diesen so komplexen und faszinierenden Superorganismus, einzugreifen. Doch heute sterben die Bienen. Warum? Und was hat das damit zu tun, wie wir mit der Natur und ihren Geschöpfen umgehen, fragte sich die Norwegerin Maja Lunde, als sie einen Dokumentarfilm über CCD (Colony Collapse Disorder) im Fernsehen sah, das Verschwinden der Bienen. Sie recherchierte, forschte, dachte sich drei unterschiedliche Charaktere aus. Einer ist William im Jahr 1852. Engländer, Biologe und achtfacher Vater, der in einer Lebenskrise steckt, denn seine bisherigen Forschungen sind gescheitert. Doch dann beginnt er wie Langstroth über den perfekten Bienenstock nachzudenken. Zu spät, wie sich herausstellt, Langstroth hat bereits das Patent. William bleibt das Los des ruhmlosen Wissenschaftlers.
Parallel dazu begegnen wir George, der 2007 in den Vereinigten Staaten lebt, wo zu jener Zeit der Kollaps der Bienenkolonien seinen Anfang nimmt. Und wir blicken in die Zukunft an der Seite der Arbeiterin Tao, die in China im Jahr 2098 lebt und auf einer Obstplantage die Blüten von Hand bestäubt. Sie hat einen kleinen Sohn, Wei-Wen. Ihm möchte sie eine bessere Zukunft ermöglichen, doch plötzlich verschwindet der Junge unter mysteriösen Umständen.
Die Frage, was mit dem Kind passiert sein mag und ob es mit dem Verschwinden der Bienen zu tun hat, treibt den Leser durch die einzelnen Familiengeschichten, die kraftvoll von Enttäuschungen und Visionen erzählen. Gewiss ein Buch für Bienenliebhaber, aber nicht nur. Jeder, der sich für die endlose Kette des Lebens interessiert, wird an dem Roman Gefallen finden. Ein literarischer Wurf über zwischenmenschliche Verflechtungen, die über Jahrhunderte Bestand haben können.

Quelle: Natur.de

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