„Wir müssen uns nicht rechtfertigen“ – Warum kündigt die Commerzbank Flüchtlingen die Konten?

Min­des­tens 20 Flücht­lin­gen wur­den in Luckenwalde (Brandenburg) in­ner­halb kur­zer Zeit die Kon­ten ge­kün­digt. Das käme von „ganz oben“, hieß es laut eines Bank-Mitarbeiters.

Sozialbetreuer Shukri A. (35), Architekt Samer C. (32) und Lehrer Fateh F. (41) arbeiten, haben keine Schulden und immer ihre Kontogebühren bezahlt. Trotzdem hat die Commerzbank Mitte Juni allen dreien innerhalb von vier Tagen die Konten gekündigt. Ohne Begründung.

„Gemäß Nummer 19 Absatz 1 unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht der Bank das Recht zu, die Geschäftsverbindung jederzeit aufheben zu können. Von diesem Recht machen wie hiermit Gebrauch“, steht trocken in den Kündigungen. Sie liegen B.Z. vor.

Die drei aus Syrien stammenden Männer lebten zeitweise in Luckenwalde (Brandenburg) und eröffneten bei der dortigen Commerzbank-Filiale Konten. Shukri A. ging zu seiner Bank, um das zu klären, nachdem ihm die Kündigung vollkommen unerwartet ins Haus flatterte.

„Man sagte mir, dass es ihnen sehr leid tue, aber dass sie da nichts machen könnten. Das sei eine ‚politische Entscheidung‘ von ‚ganz oben‘“, so ein Bank-Mitarbeiter zu Shukri A.

Als er dann von seinen Bekannten mitbekam, dass auch ihnen gekündigt worden war, hörten sie sich um. „Das läuft etwa seit einem Monat, wir haben gehört, dass es auch Iranern und Afghanen passiert sein soll“, sagt Shukri A.

Eine der identischen Kündigungen. Nur Namen, Adressen und Kontonummern unterscheiden sich. (Foto: .)
Eine der identischen Kündigungen. Nur Namen, Adressen und Kontonummern unterscheiden sich. (Foto: .)

Shukri A. kam bereits 2010 nach Deutschland, weil er als Kurde in Syrien diskriminiert wurde und spricht sehr gut Deutsch. Seine Bekannten kamen, nachdem in Syrien der Bürgerkrieg ausgebrochen war.

„Weil wir Syrer sind“Die Kündigung ärgert Shukri A., auch weil er glaubt, dass andere Flüchtlinge, die sich noch nicht gut in Deutschland auskennen, davon überrumpelt werden. „Wir sind sauber, wir haben studiert, wir haben keine Schufa-Einträge. Wir glauben, das liegt an unserem Pass, weil wir Syrer sind. Das ist keine normale Kündigung, da steckt was dahinter“, sagt er. In Syrien arbeitete er zeitweise selbst als Journalist und wendete sich an die B.Z.

Bank gibt sich verschlossen

Wir fragten bei der Commerzbank mehrfach nach, wie es zu diesem ungewöhnlichen Vorgang gekommen ist. Dass drei unbescholtenen Kunden innerhalb weniger Tage mit identischen Schreiben gekündigt wurde. Ob es noch mehr Fälle gebe. Und was die „politische Entscheidung“ sein könnte, von der Shukri A. hörte.

Die Bank gibt sich verschlossen. Ein Sprecher zweifelte zunächst an, dass es mehrere Fälle gibt. Und weiter: „Es gibt ein Bankgeheimnis. Und wir dürfen ohne Angabe von Gründen kündigen. Wir müssen uns laut Vertrag nicht rechtfertigen.“

Shukri A., Samer C. und Fateh F. sind jetzt bei der Sparkasse untergekommen. „Die haben uns ohne Probleme aufgenommen“, sagt Shukri A. Eine Nachfrage bei der Sparkasse ergab dann, dass alleine bei der Sparkasse Luckenwalde knapp 20 Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran und Afghanistan im vergangenen Monat mit den Commerzbank-Kündigungen gekommen seien, um dort neue Konten einzurichten.

Auch mit diesen neuen Zahlen konfrontiert, wollte sich die Commerzbank nicht zu den Kündigungen äußern.

Quelle: BZ

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