Achtung, Eltern! Immer mehr Kinder schauen sich Hinrichtungen und Horror-Unfälle an

Morde, Suizide, tödliche Unfälle: Es sind verstörende Bilder und gewalttätige Videos voll realer Brutalität, die bereits Erwachsenen Alpträume bescheren und die einfach im Netz zu finden sind. Szenen aus dem echten Leben, keine Videospiele oder Hollywoodfilme.

Kinder gucken das!

Wer sich sowas anschaut? Ihre Kinder! Unsere Redaktion sprach mit Teenies von einer Kölner Schule, die Massen solcher Videos kennen, per Handy anschauen und teilen.

Etwa diese: Zwei Männer knien gefesselt am Boden.  Dann schreitet ein Mann in Tarnanzug mit einer Kettensäge auf sie zu. Einem der Männer wird die Kehle durchschnitten, dann  der Kopf ganz abgetrennt.

Kaltblütige Morde

Ein weiterer  Täter packt den zweiten Mann bei den Haaren, enthauptet ihn mit einem Messer. Ein kaltblütiger Mord, der in voller Länge auf dem Handy des Schülers Kevin (14) aus Köln läuft.  „Das ist so krass. Der zweite Typ will noch schreien, aber die haben dem schon die Stimmbänder durchgeschnitten. Der röchelt nur noch“, kommentiert er das Video.

„Wo röchelt der denn?“

Die Antwort seines Freundes Mesut (16): „Wo röchelt der denn? Das hab ich gar nicht gehört. Mach noch mal zurück.“ Elisabeth Schachtner von der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) kennt dies.

„Das Phänomen der Abbildung von realen Unfällen, Morden und Selbstmorden im Internet ist nicht neu.“ Noch sei es kein Massenphänomen, aber eins, das „leider zunimmt“, so Schachtner.

Kaum zu ertragende Bilder 

Auf Anhieb können Kevin und Murat unzählige weitere Clips finden. Bilder, die kaum zu ertragen sind: ein  Motorradfahrer dessen Körper bei einem Unfall in zwei Teile gerissen wurde, das Bild von vier Cabrio-Insassen die durch einen Truck zum Teil geköpft wurden. Ab und an ploppt ein Warnhinweis auf.

Warnhinweise weggeklickt 

Kevin klickt ihn weg, ebenso wie  Hinweise, dass man mindestens 18 Jahre alt sein muss – schon hat er Zugang. „Warnhinweise, welche einfach weggeklickt werden können, entsprechen in jedem Fall nicht den gesetzlichen Bestimmungen für Verbreitungsbeschränkungen“, sagt Stefan Linz, Sprecher der Film- und Videowirtschaft bei der FSK.

Und Petra Meier, stellvertretende Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien erklärt: „Diese Inhalte dürfen nur angeboten werden, wenn von Seiten des Anbieters sichergestellt ist, dass sie nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden.“ Bei „absolut unzulässigen  Inhalten“ sei bereits die Verbreitung nach dem Strafgesetzbuch (StGB) verboten.

Hysterisches Schreien

Für die Jungs scheinen die Warnhinweise  sogar eher  ein Anreiz zu sein. Bei Youtube finden sich zahlreiche Clips von Jugendlichen, die sich selbst beim Anschauen der Mord-Clips filmen. Ihre  Reaktionen reichen von hysterischen Schreien bis hin zu Weinen.

Behörden sind machtlos
„Bei Darstellungen von Morden, Unfällen und Selbstmorden im Netz werden die Medienanstalten selbstverständlich sofort tätig,“ versichert Schachtner zwar, allerdings ginge das nur, „sofern der Anbieter seinen Sitz in Deutschland hat.“ Das ist bei fast allen Seiten, die unsere Redaktion gesichtet hat nicht der Fall. Heißt: Die deutschen Behörden sind machtlos, die Horror-Videos bleiben im Netz.
Zumindest die Videos und Links, die unserer Redaktion bekannt sind, wurden laut Petra Meier an die entsprechenden Stellen weitergeleitet und sind in Zukunft hoffentlich nicht mehr verfügbar.

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