IST BLASS DAS NEUE BRAUN? SCHÖN WÄR’S, WARNEN HAUTÄRZTE

Wer sich in die Sonne legt, muss eigentlich verrückt sein. Jedes Jahr wird Bräune für uncool und Blässe zum Trend erklärt. Aber ist das wirklich so? Ein Hautarzt sagt: Schön wär’s.

Was haben Dieter Bohlen, Donatella Versace und Daniela Katzenberger gemeinsam? Alle drei sehen immer nach Sommer aus – jedenfalls mit Blick auf ihre Bräune.

Dabei ist eine Gesichtsfarbe, die auf Sonnenbäder und Solarium schließen lässt, heute doch eigentlich verpönt. Sollte man jedenfalls meinen, wenn man Zeitungen, Magazine oder Internet-Blogs liest. Und ganz sicher, wenn man auf seinen Hautarzt hört. “Bräune müsse eigentlich als Hautkrankheit betrachtet werden”, sagt der Münchner Hautarzt Christoph Liebich.

“Immer noch viel zu viele” Menschen legen sich auch im Sommer 2017 in die pralle Sonne, weiß auch der Berliner Dermatologe Christian Kors. Das Bewusstsein, dass Sonnenbaden schädlich ist, sei zwar gestiegen, aber trotzdem seien noch zu wenige Sonnenanbeter aufgeklärt bzw. sie beherzigen Ratschläge nicht: “Wenn ich Patienten zum Lichtschutz berate, kommt immer: Aber dann werde ich ja gar nicht mehr braun?”, sagt Kors.

Auch Hollywood-Stars warnen regelmäßig vor der gelben Gefahr: Fast jeder dürfte wohl das Foto von Hugh Jackman (“X-Men”) mit Pflaster auf der Nase kennen. Der australische Schauspieler hat sich schon mehrfach wegen Hautkrebs behandeln lassen, sagt immer wieder: Tragt Sonnenschutz.

67. Internationale Filmfestspiele in Berlin: Hugh Jackman am 17. Februar 2017 bei der Pressekonferenz zu “Logan”.
67. Internationale Filmfestspiele in Berlin: Hugh Jackman am 17. Februar 2017 bei der Pressekonferenz zu “Logan”.
Die Sonne – der Gegner? Manch einer mag noch die Bilder der verbrannten Kronprinzessin Mette-Marit in Erinnerung haben. Die hellhäutige Norwegerin saß bei einem Interview vor einem Scheinwerfer, der Sonnenlicht reflektierte, und hatte danach starke Verbrennungen im Gesicht. Das war 2002.

Ist blass also das neue Braun? Der Dermatologe Kors sagt dazu: “Schön wär’s.” Denn die Zahlen sprechen für sich: Weltweit gebe es jedes Jahr zwei bis drei Millionen neue Fälle von hellem Hautkrebs, schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft unter Berufung auf die Weltgesundheitsorganisation WHO. Jede UV-Belichtung verursache Erbgutschäden in den Zellen, sagt Kors. “Die Haut verzeiht extrem viel, aber sie vergisst keinen einzigen UV-Strahl.”

Braun sein, das war lange ein Statussymbol. Auch der Dermatologe Kors erinnert an die Nachkriegsgeneration, die plötzlich Sommerurlaub machen konnte. “Alle sind nach Italien gefahren, Bräune zeigte auch, dass man sich das leisten kann.”

Später gingen die Leute gar ins Sonnenstudio, Solarium zählte in den Neunzigern fast als Hobby. Heute steht das Wort “Assi-Toaster” im Duden. Die hässlichen Assoziationen sind im Kopf: Falten, Lederhaut, Krebs. Und auch: Donald Trump.

 

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