AfD-Spitzenkandidatin Weidel spricht nicht mehr von Fälschung

Es war eine Nachricht, die selbst bei AfD-Mitgliedern für Aufregung sorgte: Vergangenes Wochenende berichtete die WELT AM SONNTAG über eine E-Mail mit rassistischem und demokratieverachtendem Inhalt. In der Nachricht vom 24. Februar 2013 wurden Mitglieder der Regierung von Angela Merkel (CDU) als „Verfassungsfeinde“, „Marionetten der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs“ und „Schweine“ bezeichnet. Absender: eine Frau namens Alice Weidel.

AfD-Sprecher Christian Lüth nannte die Mail „eine Fälschung“. Parteichef Jörg Meuthen sagte: „Fälschungen kommentiere ich nicht.“ Alexander Gauland – gemeinsam mit Weidel AfD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl – teilte mit: „Diese E-Mail ist nicht ihre Sprache, passt gar nicht zu ihr.“ Weidel selbst sprach im WELT-Wahlcheck von einer „Kampagne“.

Nun aber zeichnet sich eine Kehrtwende ab: Weidel lässt nicht länger behaupten, dass die Nachricht gefälscht sei.

Der Rechtsanwalt der 38-Jährigen schickte der WELT AM SONNTAG am 14. September ein vierseitiges Schreiben. Darin ist keine Rede mehr von „Fälschung“. Weidel besteht zudem bislang weder auf eine Unterlassung noch auf einen Widerruf.

Beides sei „unstreitig korrekt“

In dem Anwaltsschreiben heißt es, Weidel sei aus Journalistenkreisen zugetragen worden, dass geplant werde, eine „mit unserer Mandantin geführte private Korrespondenz zu veröffentlichen“. Angeblich solle damit der Umstand bewiesen werden, dass sie und der E-Mail-Empfänger in der Vergangenheit tatsächlich eine Mail-Korrespondenz gehabt hätten und Weidel dabei eine besondere Schreibweise verwendet habe.

Dazu sei es aber nicht erforderlich, dass weitere Mails veröffentlicht würden. Denn: Beides sei „unstreitig korrekt und durch die Vorlage von E-Mails daher nicht beweisbedürftig.“

Das steht im Kontrast zu einer Erklärung, die Weidel über einen Anwalt derselben Kanzlei vor Veröffentlichung des Artikels in der WELT AM SONNTAG am 10. September abgeben ließ. Darin hieß es: „Der von Ihnen vorgelegte Text wurde von unserer Mandantin nicht verfasst. Es wäre daher falsch und rechtswidrig, öffentlich zu behaupten, unsere Mandantin habe diesen Text geschrieben oder auch nur diesen Verdacht zu äußern.“

Weidel verzichtet auf Eidesstattliche Versicherung

Die WELT AM SONNTAG hält an ihrer Berichterstattung über die Mail in vollem Umfang fest. Der Redaktion liegt eine eidesstattliche Versicherung des E-Mail-Empfängers vor.

Um Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit auszuräumen, könnte Weidel ihrerseits bei Gericht eine eidesstattliche Versicherung einreichen, in der steht, was zuvor schon der Anwalt behauptet hatte: Dass sie den Text nicht verfasst hat. Doch dies hat sie bisher nicht getan.

Die Abgabe einer falschen Versicherung an Eides statt wird nach dem Strafgesetzbuch mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe geahndet.

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