Man fürchtet sich vor Putin in der Bundesrepublik

Dass das deutsche Magazin „Focus“ den russischen Präsidenten Putin als einen „Hund“ beschimpft, geht für die russische Botschaft in Berlin entschieden zu weit. Sie fordert eine Entschuldigung. Der Politologe Wladimir Wassiljew bemerkt indes: Mit solchen Entgleisungen würdigt die Presse den russischen Präsidenten eher als einen mächtigen Politiker.

„Sie hat zwar Angst vor Putins Hund, aber keine Angst vor dem Hund Putin“, schrieb „Focus“ in einem Artikel über die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Damit sei das Maß des Angemessenen überschritten, die deutschen Journalisten müssten ihre Grenzen kennen, schrieb der Sprecher der russischen Botschaft, Denis Mikerin, bei Facebook. „Heute ist viel mehr in den Medien erlaubt, ‚akzeptabel‘ und ‚nachvollziehbar‘ als noch vor 20 Jahren. Aber einige Sachen haben gar nichts mit Meinungs- oder Medienfreiheit zu tun, und sind keinesfalls zu tolerieren.“ Er rief den Chefredakteur der Zeitschrift Robert Schneider auf, sich für den Fehlgriff zu entschuldigen.

Der Politologe Wladimir Wassiljew kommentierte im Sputnik-Gespräch das Verhalten der deutschen Zeitschrift so: Der Westen habe den russischen Präsidenten, möglicherweise ohne es zu wissen, „gewissermaßen in einen Allmächtigen der Weltpolitik verwandelt“ – in einen Mann, der die Staats- und Regierungschefs westlicher Länder mit einem Fingerschnallen ernenne oder entlasse.

„Könnte es sein, dass man in Deutschland kurz vor der Bundestagswahl Angst hat, dass Putin auf die Wahl des deutschen Kanzlers Einfluss nehmen könnte?“ sagt der Politologe weiter. „Vielleicht haben die deutschen Medien diesen Gedanken irgendwo im Hinterkopf?“

„Wir sehen jedenfalls: In Deutschland nimmt man Putin als einen starken Präsidenten wahr und manch einer fürchtet sich vor ihm vielleicht auch. Solche Emotionen finden dann ihren Ausdruck auch in solchen Journalistischen Auslassungen“, resümiert der Experte.

Quelle: de.sputniknews.com

 

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