DAS PASSIERTE BEIM TÖDLICHEN POLIZEI-HELI-CRASH AM OLYMPIASTADION

Ein 57-jähriger Pilot der Bundespolizei soll nach einem Hubschrauber-Absturz am Berliner Olympiastadion, bei dem ein anderer Pilot starb, eine Strafe von 9000 Euro zahlen. Viereinhalb Jahre nach dem Unglück erließ das Amtsgericht Tiergarten am Montag auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung sowie fahrlässiger Körperverletzung.

Der geplante Prozess fiel aus, weil der Angeklagte nicht erschienen war. Der Beamte kann innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. Der Richter äußerte Zweifel, ob der Angeklagte überhaupt verurteilt werden könne.

Bei der Übung sollten bis zu 400 Beamte den Einsatz gegen Hooligans proben. An dem Tag im März 2013 herrschte heftiger Schneefall. Die drei Hubschrauber hatten die Aufgabe, auf dem Maifeld am Stadion Einsatzkräfte abzusetzen. Eine Landezone war markiert.

Nach den Ermittlungen wirbelten die Rotoren der Helikopter aber bei der Landung den Schnee zu einer weißen Wand auf. Der 57-Jährige, der als dritter in der Reihe landen sollte, soll zum Landevorgang angesetzt haben, bevor sich wenigstens die vom zweiten Hubschrauber aufgewirbelte Schneewolke gesetzt hatte.

Der Pilot soll nach den Ermittlungen den während der Landung seines Hubschraubers herrschenden Schneefall und die dadurch eingeschränkte Sicht trotz seiner langjährigen Erfahrung unterschätzt haben. Anstatt die Landung abzubrechen, habe er versucht, seine Position zu ändern.

Es sei zu einer Kollision mit einem bereits gelandeten Helikopter gekommen. Dessen 40-jähriger Pilot starb noch am Unfallort. Weitere Menschen wurden bei dem Unglück durch umherfliegende Trümmerteile verletzt, vier von ihnen schwer.

Das Gericht hatte zunächst ein milderes Urteil angeregt und eine Verwarnung sowie eine Geldstrafe von 9000 Euro unter Vorbehalt angeregt. Die Gutachter hätten sich widersprüchlich geäußert, erklärte der Richter. Es sei “völlig unklar, ob der Angeklagte überhaupt verurteilt werden kann.”

Nach Ansicht des Richters muss auch berücksichtigt werden, dass der 57-Jährige die gefährliche Landesituation nicht selbst befohlen oder veranlasst, sondern auf Befehl gehandelt habe. Es gebe zudem Anzeichen, “dass er durch den aufgewirbelten Schnee selbst überrascht worden ist und deshalb unter Umständen keine Möglichkeit hatte, den Unfall zu verhindern”. Außerdem habe es für eine solche Übung der Bundespolizei keine genauen Vorschriften gegeben.

Weil sich die Staatsanwältin gegen eine Verwarnung aussprach, erging auf ihren Antrag eine Strafe von 90 Tagessätzen zu je 100 Euro. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Beamte kann innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen.

Quelle: tag24.de

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