Schule: Warum Tests beim Lernen helfen können

Schon wieder ein Mathetest! Viele Schüler stöhnen über ständige Tests und Klassenarbeiten in der Schule. Denn dadurch muss immer mehr gepaukt werden und der ständige Erfolgsdruck erhöht den Stress. Doch was bringen die Tests fürs Lernen? Das haben jetzt Kognitionspsychologen untersucht. Ihr Fazit: So nervend Tests auch sind, sie helfen tatsächlich dabei, das Gelernte besser zu behalten.

Von Eltern- und erst recht von Schülerseite wird häufig darüber geklagt, dass in der Schule zu viele Tests geschrieben werden. “Wann soll das alles eigentlich gelernt werden?”, fragen die besorgten Eltern und auch viele Pädagogen. Manche sprechen sogar schon von “Testeritis”. Denn viele Kinder und auch ihre Eltern sehen zwar ein, dass Tests der Leistungsfeststellung und dem Feedback dienen. Ob solche Arbeiten aber auch einen Nutzen für das Lernen selbst haben, wird eher bezweifelt. Zu Recht?

Was bringt mehr Lernerfolg?

Was Tests in der Schule wirklich bringen, erforschen Kognitionspsychologen der Universität Erfurt schon seit längerem. Sie haben dafür unter anderem ein Experiment durchgeführt, bei dem sie das testbasierte Lernen mit dem bloßen “Notizenmachen” vergleichen. Dafür sollten zunächst 273 Versuchspersonen einen kurzen Text über das Erscheinungsbild und die Lebensgewohnheiten des Honigdachses lesen.
Ein Drittel der Teilnehmer sollte dann den Text zwei weitere Male zu lesen um ihn sich durch die bloße Wiederholung einzuprägen. Eine zweite Gruppe bekam die Aufgabe, sich wichtige Informationen aus dem Text in eigenen Worten aufzuschreiben, sich also Notizen machen. Die Teilnehmer der dritten Gruppe führten eine Art Selbsttest durch: Ohne im Text nachzuschauen, notierten sie alle Inhalte, an die sie sich noch erinnern konnten.
Abschließend fand ein finaler Lerntest statt, in dem die Versuchspersonen den Textinhalt so vollständig wiedergeben sollten wie möglich. Diese Lernkontrolle fand entweder nach fünf Minuten, nach einer Woche oder nach zwei Wochen statt.

Auf die Zeit kommt es an

Das Ergebnis: Die Teilnehmer, die den Text nur durchgelesen hatten, schnitten am schlechtesten ab: Sie konnten sich nur noch an wenige Details erinnern. Besser sah es bei den Probanden aus, die sich beim Lernen Notizen gemacht hatten: Fand der Lerntest wenige Minuten oder eine Woche nach der Lernphase statt, hatten sie fast alle Informationen noch parat. Für das schnelle Lernen kurz vor dem Test ist demnach das Notizenmachen durchaus eine hilfreiche Strategie.
Anders sieht es aus, wenn zwischen Lernen und Klassenarbeit oder Test zwei Wochen und mehr Zeit ledigen. Dann schwindet die Erinnerung auch an das Notierte ziemlich schnell, wie das Experiment ergab. In diesem Fall profitiert der Schüler oder Student am meisten, wenn er sich beim Lernen selbst getestet hat. Die Teilnehmer mit dieser Strategie schnitten beim verzögerten Abschlusstest am besten ab, wie die Forscher berichten.

Auch beim Selbstlernen sinnvoll

“Testen erweist sich damit, zumindest wenn es um nachhaltiges Lernen geht, als effektiver als andere ebenfalls effektive Lernstrategien”, erklärt Ralf Rummer von der Uni Erfurt. Der Grund dafür: Wenn man schon in der Lernphase immer wieder das Abrufen der neuen Informationen trainiert, fällt dies auch im Ernstfall dem Gehirn leichter. Gleichzeitig sorgt das ständige Selbstabfragen dafür, dass sich das Gelernte tiefer einprägt: Man behält zwar weniger Informationen, diese bleiben aber länger im Gedächtnis als beim Notizenmachen.
Nach Ansicht der Forscher sind daher Zwischentests in der Schule durchaus sinnvoll, um das Gelernte zu vertiefen. Gleichzeitig können Schüler und Studenten das Wissen über diesen Effekt auch zu ihrem eigenen Vorteil nutzen: “Bislang testen sich die meisten Lernenden leider nur dann, wenn sie Vokabeln lernen. Und dann auch nur, um Feedback über ihren Wissensstand zu erlangen, und nicht im Bewusstsein, ihr Wissen durch Testung zu konsolidieren”, sagt Rummer.
Noch sinnvoller aber ist es, auch bei anderem Stoff sich ruhig einmal zwischendurch auf die Probe zu stellen. Das kann durch das Aufschreiben der gerade gepaukten Inhalte passieren, aber auch durch selbstgestellte Fragen, die man beispielsweise auf Karteikarten notiert. Auch Handy- und Tablet-Apps mit selbst ausfüllbaren Übungskarten können hilfreich sein. “Aus unserer Sicht sollte man sich diesen Effekt sowohl in der universitären und schulischen Lehre – etwa durch den Einbau von Tests in Lehrveranstaltungen – als auch beim heimischen Lernen zunutze machen”, so Rummer.

Quelle: Wissen.de

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