Umweltrat mahnt zum Kohleausstieg

Dringende Mahnung: Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat die kommende Bundesregierung aufgefordert, den Kohleausstieg unverzüglich einzuleiten. Die neue Legislaturperiode biete die letzte Chance, die Weichen für eine Umsetzung der Pariser Klimaziele in Deutschland zu stellen.

Kohlekraftwerk

Kohlekraftwerke gehören zu den großen EmIttenten von Treibhausgasen (Foto: rcfotosdtock/ Fotolia)

Eigentlich ist der Weg klar: Um den Klimawandel zu bremsen, muss die Menschheit weniger fossile Energieträger verbrennen. Zwar gibt es in dieser Hinsicht einige hoffnungsvolle Fortschritte, darunter in China und Indien. Aber bisher verändert sich gerade die Energiegewinnung in den Industrieländern nur langsam.

Dies gilt auch und gerade für Deutschland: “Deutschland steht vor einer paradoxen Situation: Zwar hat es durch die frühzeitige Förderung der erneuerbaren Energien maßgeblich zu deren erfolgreichen globalen Verbreitung beigetragen. Dennoch besteht Gefahr, dass die eigenen nationalen Klimaschutzziele für 2020 und 2030 nicht eingehalten werden”, heißt es in der aktuellen Stellungnahme des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU).

Schnelles Handeln bringt Vorteile

Der aus Wissenschaftlern verschiedener Fachdisziplinen bestehende Sachverständigenrat berät die Bundesregierung in Fragen der Umweltpolitik und gilt als unabhängiges Beratungsgremium. In ihrer aktuellen Stellungnahme haben die Experten nun die künftige Bundesregierung eindringlich aufgefordert, schnellstmöglich zu handeln – auch zum eigenen Besten.

“Eine schnelle und wirksame Reduzierung der Kohleverstromung in Deutschland würde einen wichtigen und kostengünstigen Beitrag zum Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz leisten”, betonen die Forscher. “Sie hätte zudem große energiewirtschaftliche Vorteile.” Denn je eher die konsequente Reduktion der Kohleverstromung beginnt, desto sanfter und kostengünstiger kann der gesamte Ausstieg verlaufen, wie die Wissenschaftler vorrechnen. Ein langfristiger und strukturierter Ausstiegspfad bietet zudem allen Betroffenen Planungssicherheit und kann für eine möglichst gerechte Lastenverteilung sorgen.

“Herausforderungen sind lösbar”

Der zügige Ausstieg aus der Kohleverstromung bringt mehrere Herausforderungen mit sich, wie die Experten erklären: Die verlässliche Versorgung mit Strom ist zu gewährleisten, der Ausstieg für die direkt betroffenen 20.000 bis 30.000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie sowie für die betroffenen Regionen muss sozialverträglich gestaltet werden und die Finanzierung der Bergbau-Folgekosten muss abgesichert werden. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hält alle drei Herausforderungen für durchaus lösbar.

Grundlage des Kohleausstiegs sollte nach Ansicht der Wissenschaftler ein Budget der Gesamtmenge an Treibhausgasen sein, die durch Kohlekraftwerke bis zur endgültigen Abschaltung noch ausgestoßen werden dürfen. Diese Menge sollte gesetzlich festgeschrieben werden. “Aus wissenschaftlicher Sicht sollte das verbleibende Emissionsbudget für die Kohleverstromung in Deutschland 2.000 Megatonnen CO2 nicht überschreiten”, konkretisiert Wolfgang Lucht von der Humboldt Universität Berlin.

Ausstieg in drei Phasen

In seinem Gutachten schlägt der SRU einen Ausstieg in drei Phasen vor: Bis zum Jahr 2020 sollen zuerst die ältesten und emissionsintensivsten Kraftwerke vom Netz gehen. Zu diesen gehören die Braunkohlekraftwerke, die vor 1990 ans Netz gegangen sind. Diese Maßnahme kann dazu beitragen, zumindest einen Teil der Lücke zu schließen, die bisher noch zum 40-Prozent-Reduktionsziel Deutschlands klafft, wie die Forscher erklären.

In der zweiten Phase könnte die Auslastung der verbliebenen Kohlkraftwerke bis 2030 kontinuierlich verringert werden. Zudem sollten diese Anlagen soweit mit Abgasreinigungs-Technologien nachgerüstet werden, dass sie die angestrebten Stickoxidgrenzwerte einhalten. “Durch die Vorhaltung der Kapazitäten besteht trotz des Atomausstiegs keine Gefahr für die Versorgungssicherheit. Darüber hinaus kann durch den Weiterbetrieb der Blöcke auch ein Großteil der Arbeitsplätze erhalten bleiben”, so das Gutachten.

In der dritten Phase in den 2030er Jahren werden dann die verbleibenden Kohlekraftwerke sukzessive geschlossen. “Bis dahin sollten ausreichend Erneuerbare-Energien-Anlagen ans Netz angeschlossen werden, um in Kombination mit Stromspeichern und Nachfragemanagementoptionen die Versorgungssicherheit zu gewährleisten”, erklären die Forscher.

Kohle-Kommission mit klarem Mandat ist sinnvoll

Die Sachverständigen empfehlen der neuen Bundesregierung zudem, eine Kohlekommission einzusetzen – wie bereits im Klimaschutzplan 2050 vorgesehen. Sie wäre ein wichtiger Mittler und könnte die notwendigen Entscheidungen in Konsultation mit den betroffenen Akteuren treffen. “Die Kommission sollte Empfehlungen für einen konkreten Ausstiegspfad, zur instrumentellen Ausgestaltung sowie zur Abfederung der sozialen und ökonomischen Folgen in den betroffenen
Regionen erarbeiten”, heißt es im Gutachten.

Quelle: Sachverständigenrat für Umweltfragen

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