WALDBRÄNDE IN KALIFORNIEN: „Als hätte eine Bombe eingeschlagen“

Die Zahl der Toten bei den verheerenden Wald- und Buschbränden im Norden Kaliforniens hat sich auf mindestens 17 erhöht. Was viele Kalifornier bei der Rückkehr in die Brandgebiete vorfinden, ist ein Schreckensszenario.

Brad Hoffman steht vor dem Nichts, doch seinen Humor hat er noch nicht verloren. „Darf ich Ihnen die Eingangstür zu meinem zweistöckigen Haus zeigen?“, sagt der Kalifornien mit einem leicht gequältem Lächeln. Dabei blickt er auf eine graue Mondlandschaft aus verbogenem Metall, Aschebergen und verkohlten Holzbalken. „Es ist schwer, überhaupt noch etwas zu erkennen“, meint der Hobby-Musiker. „Das hier könnten meine Trommeln sein, dort die Reste meines neues Motorrads.“

Hoffman zählt zu den tausenden Menschen, die in dem Flammeninferno von Santa Rosa und den benachbarten Weinbautälern Napa und Sonoma ihr ganzes Hab und Gut verloren haben. Seine Freundin greift vorsichtig in die noch warme Asche, auf der Suche nach Andenken: ein Porzellanteller, ein paar Silberlöffel, viel mehr ist nicht zu retten. „Als wenn eine Bombe eingeschlagen hätte, wie Hiroshima“, sagte Phoebe Vernier mit leiser Stimme – durch ihre Atemschutzmaske hindurch. „In Deutschland gab es eine schwere Verwüstung im Krieg, doch wir hier kennen so etwas nicht.“

Das Paar war nicht zuhause, als die Feuerwalze in der Nacht zum Montag die Nachbarschaft am Rande der Kleinstadt Santa Rosa überrollte. Erst am Dienstagnachmittag (Ortszeit) können sie sich ein Bild von der totalen Verwüstung machen. Soweit der Blick reicht ist das Coffey-Park-Viertel mit Hunderten Häusern dem Erdboden gleichgemacht. Nach Schätzungen der Behörden haben die über ein Dutzend Brände in Nordkalifornien mehr als 2000 Gebäude zerstört.

„Das ist erst der Anfang“

„Wir schliefen, als die Polizei an die Tür klopfte“, sagt Hoffmans Nachbar Ray Perez. Es habe stark nach Rauch gerochen, und sie hätten sofort das Haus verlassen müssen, erzählt der Familienvater. Zum Packen war keine Zeit mehr. „Alles ist weg“, murmelt er und schaut dabei über das schwelende Chaos aus Stahl und Asche. Fast alles: „Die vier Goldfische im Gartenteich haben überlebt, das ist wirklich ein Wunder“, sagt Perez mit tränenerstickter Stimme.

Es grenzt an ein Wunder, dass in dieser verwüsteten Nachbarschaft nur ein Todesopfer zu beklagen ist. Die schweren Brände in Nordkalifornien haben mindestens 17 Menschen das Leben gekostet, darunter uralte Eheleute im Alter von 100 und 98 Jahren – das ist die vorläufige Bilanz am Dienstagabend (Ortszeit). „Das ist erst der Anfang“, warnt Feuerwehrsprecher Jerry Fernandez. „Wir gehen Vermisstenmeldungen nach, die Brände sind weiter außer Kontrolle“. Eine derartige Verwüstung habe er in seinen 30 Jahren bei der Feuerwehr nicht gesehen.

Tausende Feuerwehrleute, Polizisten, Soldaten und andere Helfer kämpfen gegen die Flammenhölle an, viele sind zur Verstärkung von auswärts angerückt. Auf den leer gefegten Straßen im rauchverhangenen Sonoma Valley, wo sonst Reisebusse mit Ausflüglern zu Weinproben unterwegs sind, fahren jetzt nur Einsatzwagen und Löschfahrzeuge. Eine bedrohliche Stille liegt über der gespenstischen Landschaft, mit Weinbergen, großen Farmen und herrschaftlichen Weingütern.

Der Polizist Rob Celli steht an einer Straßensperre und schaut besorgt auf die näher rückende Feuersäule in den Hügeln von Sonoma. Er trägt eine Schutzmaske gegen den beißenden Rauch. Kurz zuvor hatte sein Team den Befehl bekommen, das Oakmont-Viertel mit teuren Seniorenresidenzen zu räumen.

Manche Anwohner würden sich schlichtweg weigern, klagt der Polizist. „Wir sind von Tür zu Tür gegangen und haben regelrecht gebettelt, dass sie die Flucht ergreifen.“ Auch er befürchtet, dass die Zahl der Toten weiter in die Höhe geht.

Es wird noch Tage oder Wochen dauern, bis die Brände gelöscht sind. Doch für viele beginnt jetzt schon die harte Wirklichkeit des Wiederaufbaus. „Ich habe meinen Antrag für den Feuerschaden bei der Hausversicherung schon eingereicht“, erzählt Brad Hoffman. Will er das verkohle Grundstück neu bebauen? „Ich weiß es nicht“, sagt er zögerlich.

Hoffman ist skeptisch, ob aus Washington schnelle Hilfe kommt. Präsident Donald Trump hatte am Dienstag erklärt, die Bundesregierung sei an der Seite der Kalifornier. Über die Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA) sollen Zuschüsse an die Betroffenen fließen. „Ich kann nur hoffen, dass noch Gelder übrig sind“, meint Hoffman. „Wir haben jüngst so viele Katastrophen in den USA gehabt, nun sind die Kassen vermutlich leer.“

Quelle: dpa

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